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Adelbert von Chamisso: 3 (1809)

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Den heim sie bringen, haben sie beschuldigt,
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Daß den Propheten er gelästert habe
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Und ihrem falschen Mahom nicht gehuldigt.
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Der fremde Pilger ist's am Wanderstabe,
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Der büßend unter diesen Palmen wallte
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Und uns erzählte von dem heil'gen Grabe.
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Wird gegen ihre Henker dieser Alte
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Bewähren eines Christen festen Mut?
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Ihn stärke Gott, daß er am Glauben halte!
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Es gleißet arg verlockend zeitlich Gut;
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Ihm ist's beschieden, läßt er sich verleiten,
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Und bleibt er unerschüttert, fließt sein Blut.
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Blickt dort nicht hin! Ein Gräßliches bereiten
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Die blutgewohnten Schergen. Wehe, Wehe!
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Vielleicht, daß bald wir ihn dahin begleiten.
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Er kommt, – sie führen ihn daher; ich sehe
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Wie ein Geretteter, ihn freudig heiter,
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Als ob er neuem Glück entgegen gehe.
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Hat er erkauft...? o nein! sie schreiten weiter
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Der blut'gen Stätte zu; so war's gemeint!
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Die Palme winkt dem starken Gottesstreiter. –
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»weint nicht! ich habe selber nicht geweint,
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Als ich ans Kreuz den schönen Jüngling schlug;
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Mir war in meiner Brust das Herz versteint. –
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Und angstgepeitscht begann den irren Zug
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Der Frevler unter seiner Sünde Last,
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Der Kains Zeichen an der Stirne trug. –
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Der du für mich den Tod erduldet hast,
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Verfügst du huldreich, daß die Marter ende?
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Noch hofft ich, noch begehrt ich keine Rast.
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Unwürdig, daß dein Blick auf mich sich wende, –
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Der Tod, das Leben nicht, ist leicht zu tragen; –
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Nimm, Gott der Gnade, mich in deine Hände.«
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Als ihn die Schergen, ihn ans Kreuz zu schlagen,
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Ergriffen, schien es ihm erst wohl zu sein;
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Die ihn umstanden nur erhoben Klagen.
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Und als der Schmerz durchzuckte sein Gebein,
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Und er am Marterholz erhoben war,
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Genoß er Frieden vor der innern Pein.
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Ora pro nobis! betete die Schar
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Der Gläub'gen, die am Fuß des Kreuzes wachte;
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Sein Dulden war ein Beten immerdar.
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Der Tag, die Nacht vergingen, und es machte
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Der zweite Tag kein Ende seiner Qual;
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Die dritte Sonne schon den Lauf vollbrachte;
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Und wie sie scheidend warf den letzten Strahl,
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Versucht' er noch ins Auge sie zu fassen,
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Und rief, und atmete zum letzten Mal:
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»mein Gott, mein Gott, du hast mich nicht verlassen!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adelbert von Chamisso
(17811838)

* 30.01.1781 in Châlons-en-Champagne, † 21.08.1838 in Berlin

männlich, geb. Chamisso

| Bronchialkarzinom

deutscher Naturforscher und Dichter (1781–1838)

(Aus: Wikidata.org)

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