1

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Adelbert von Chamisso: 1 (1809)

1
Laß, Graf, die Jagd und wende dein Roß;
2
Es wird, bevor du erreichest dein Schloß,
3
Wo kreißend die Gräfin begehret dein,
4
Der Erbe vielleicht dir geboren sein.

5
Wie sprengt er daher mit freudigem Mut!
6
Wie trieft der Rappe von Schweiß und von Blut!
7
Die Burg erreicht er mit letzter Kraft, –
8
Verwirrung herrscht in der Dienerschaft.

9
Es dringt in das Frauengemach der Graf;
10
Die Wöchnerin liegt in ruhigem Schlaf,
11
Die Frauen entfernt, die Fenster verhängt,
12
Die Wiege dicht an das Bette gedrängt.

13
Er deckt die Wieg auf, atmend kaum; –
14
Zwei Knaben faßt der enge Raum,
15
Zu Haupt liegt einer, der andre am Fuß;
16
Wie schwelgt nun sein Herz in Überfluß!

17
Er hebt den einen, den andern mit Lust
18
Aus enger Wiege an seine Brust,
19
Er legt sie beisammen, und wieder hervor
20
Sie hebend hält er die beiden empor.

21
»wie bin ich so reich, wie war ich so arm!
22
Nun wieg ich der Sprößlinge zwei im Arm,
23
Nun grünt mein Stamm in Üppigkeit,
24
Nun soll er mir ragen in Herrlichkeit!«

25
Da kommt die Wehemutter herein,
26
Sie ahndet schon, was geschehen mag sein,
27
Sie hört und sieht ihn erschrocken an:
28
»was hast du Graf, was hast du getan?

29
Entbunden ward mit der Herrin zugleich
30
Die Schaffnerin, – was wirst du so bleich? –
31
Sie hat, die hier sich geschäftigt verletzt,
32
Der Kinder eins in die Welt gesetzt.

33
Zu Häupten lag, der dir gehört,
34
Der andre zu Füßen, wie sich's gehört.
35
Wer ist dein Blut, wer dein Geschlecht?
36
Leibeigen wer und niedrer Knecht?«

37
Da ruft er entsetzt: »Was hab ich getan?
38
Mein Sohn, mein Sohn! wer zeigt mir ihn an?«
39
Erwachend ruft die Gräfin: »Mein Kind!
40
O gebt mein eigenes Kind mir geschwind!«

41
Vergeblich Klage: kein Zeuge spricht,
42
Zu kennen sind die Kinder nicht,
43
Verloren ist der Irrung Spur,
44
Die Zeichen schweigen, es schweigt die Natur.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Adelbert von Chamisso
(17811838)

* 30.01.1781 in Châlons-en-Champagne, † 21.08.1838 in Berlin

männlich, geb. Chamisso

| Bronchialkarzinom

deutscher Naturforscher und Dichter (1781–1838)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.