Des Basken Etchehons Klage

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Adelbert von Chamisso: Des Basken Etchehons Klage (1829)

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Gensdarmen, ausgesendet
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Zu fahen den Etchehon,
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Ihr sucht ihn vergeblich zu Barcus,
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Er ist zu den Bergen entflohn.

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Die Pyrenäen verbergen
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Ihn gastlich in ihrem Schoß,
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Da teilt er, in bitterem Elend,
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Des flüchtigen Wildes Los.

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Es staunen La Soules Hirten
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Zu Eguiton ihn an,
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Und reichen das Brot des Mitleids
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Dem blutigen Sängersmann.

13
Ihr staunt, mitleidige Hirten,
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Wie blutig die Hand mir sei? –
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Zehn Jahre hab ich geschmachtet
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In Ketten und Sklaverei.

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Ich hab ein Weib mir gefreiet
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In meiner Jugend Kraft,
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Sie hat mich umstricket in Liebe,
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Mir Gift in das Haus nur geschafft.

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Fünf Jahre lag ich in Ketten,
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War kaum noch meiner bewußt;
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In Eifersucht zehn Jahre.
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Die reißt erst scharf in die Brust.

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Ich trug wohl, Eguiapal,
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Um dich der Ketten Last; –
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Was trieb dich, mein Weib zu verführen,
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Der selbst du ein Weib doch hast?

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Du wußtest Ränke zu schmieden,
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Du spanntest um mich den Verdacht;
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Derweil in Sünde du schwelgtest,
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Verkam ich in Kerkersnacht.

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Ich lag in Ketten, im Kerker,
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Auf Stroh, in Elend und Not,
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Erweichte mit meinen Tränen
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Mein hartes, mein trockenes Brot.

37
Du übermüt'ger Geselle,
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Warst Herr in dem Hause mein,
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Und schliefest auf meinen Pfühlen,
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Und trankest von meinem Wein.

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Und als den Tag der Freiheit
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Ich endlich, endlich geschaut,
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Da dünkte reif uns die Rache,
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Da hat es vor mir dir gegraut.

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Ja! zittre, tückischer Bube!
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Ich lade verhängnisvoll
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Ins Feuerrohr die Kugel,
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Die nieder dich strecken soll.

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So harrt ich zu Nacht bei der Brücke
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Von Barcus auf dich, mein Ziel; –
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Es trieben die Geister der Hölle
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Mit mir ihr grausiges Spiel.

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Ich sah dich, du kamst gegangen,
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Ich zielte sicher und gut,
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Ein Druck – und – Etchegoyen
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Lag röchelnd in seinem Blut.

57
Mein Etchegoyen, der liebend
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Mich stets zu erfreuen gestrebt! –
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Das ist das Blut, ihr Hirten,
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Das mir an den Händen klebt.

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Und nicht vergebens schreit es
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Um Rache zum Himmel empor;
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Du bist mir, Eguiapal,
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Der Schuldige, siehe dich vor.

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Du mochtest frevelnd dich rühmen,
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Wie trefflich dir alles gelang;
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Durch dich ein gleiches Verderben
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Die Besten von Barcus umschlang.

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Bin müde, nur Lieder zu dichten
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Zu müßigem Zeitvertreib,
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Nur Tränen der Wut zu weinen,
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Gleich einem gekränkten Weib.

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Es zieht mit Gewalt mich hinunter,
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Hinunter ins heimische Tal,
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Ob ich, ob du sollst dienen
76
Den Geiern des Himmels zum Mahl?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adelbert von Chamisso
(17811838)

* 30.01.1781 in Châlons-en-Champagne, † 21.08.1838 in Berlin

männlich, geb. Chamisso

| Bronchialkarzinom

deutscher Naturforscher und Dichter (1781–1838)

(Aus: Wikidata.org)

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