Hans im Glücke

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Adelbert von Chamisso: Hans im Glücke (1809)

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Willst zurück zu deiner Mutter?
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Hans, du bist ein braver Sohn;
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Hast gedient mir treu und redlich;
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Wie die Dienste, so der Lohn;
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Gebe dir zu deinem Sold
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Diesen Klumpen da von Gold;
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Bist du mit dem Lohn zufrieden,
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Hans im Glücke?

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Ja, zufrieden! und die Mutter,
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Ja, die gute Mutter soll
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Mich beloben und sich freuen,
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Alle Hände bring ich voll;
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Alles, alles trifft mir ein,
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Muß ein Sonntagskind wohl sein,
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Und auf Glückeshaut geboren,
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Hans im Glücke!

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Und er ziehet seine Straße
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Rüstig, frisch und frohgesinnt,
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Doch es sticht ihn bald die Sonne,
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Die zu steigen schon beginnt,
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Und der Klumpen Gold ist schwer,
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Drückt die Schulter gar zu sehr;
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Du erliegest unterm Golde,
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Hans im Glücke!

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Kommt ein Reiter ihm entgegen; –
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Schimmel! ei, du muntres Tier!
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Aber schleppen muß ich, schleppen
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Den verwünschten Klumpen hier;
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So ein Reiter hat es gut,
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Weiß nicht, wie das Schleppen tut;
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Hätt ich diesen Schimmel, wär ich
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Hans im Glücke. –

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Lümmel, sage mir, was ist es,
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Was du da zu schleppen hast? –
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Nichts als Gold, mein werter Ritter, –
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Gold?! – und mich erdrückt die Last –
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Nimm dafür den Schimmel. – Topp!
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Und so reit ich, hopp, hopp, hopp!
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Trabe, Schimmel! trabe, Schimmel!
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Hans im Glücke.

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Hopp, hopp, hopp! der dumme Teufel
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Schwitzt nun unter meinem Schatz;
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Hopp, hopp! Hopp, hopp! sachte, Schimmel!
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Pfui dich! – Plautz! ein Seitensatz,
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Und er lieget da zum Spott,
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Danket aber seinem Gott,
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Daß er nicht den Hals gebrochen,
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Hans im Glücke.

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Kommt ein Bauer, treibt gemächlich
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Vor sich hin ein magres Rind;
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Halt den Schimmel! halt den Schimmel!
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Schreit ihn an das Glückeskind;
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Ja! es lief sehr glücklich ab,
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Aber hart ist doch der Trab,
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Und ich will nicht wieder reiten,
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Hans im Glücke!

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Eine Kuh gibt Milch und Butter,
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Der Besitzer hat's nicht schlecht. –
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Wollt Ihr mit den Tieren tauschen?
60
Mir ist schon der Schimmel recht. –
61
Mit den Tieren tauschen?! Topp.
62
Trabe, Bauer, hopp, hopp, hopp!
63
Selig, überselig preist sich
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Hans im Glücke.

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Erst den Dienst, und dann die Bürde,
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Wieder nun den Schimmel los!
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Immer besser! immer besser!
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Nein, mein Glück ist allzu groß! –
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Und im heißen Sonnenschein
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Findet bald der Durst sich ein:
71
Hast ja deine Kuh zu melken,
72
Hans im Glücke. –

73
Melken also; er versucht es,
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Nicht gedeiht es ganz und gar,
75
Weil er Melken nicht gelernt hat,
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Und die Kuh ein Ochse war;
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Und er stößt und wehret sich:
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Prr! Prr! ruhig! denkst du mich,
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Wilde Bestie, tot zu schlagen?
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Hans im Glücke.

81
Und des Weges zog ein Metzger,
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Der ein Schwein zur Metzig trieb:
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Esel! bleibe von dem Ochsen,
84
Hast du deine Knochen lieb! –
85
Von dem Ochsen?! – Tritt zurück! –
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Ist's ein Ochse? welch ein Glück!
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Ich erfahr es noch bei Zeiten,
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Hans im Glücke.

89
Aber ach! die Milch? die Butter?
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Nun! der wird zu schlachten sein.
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Aber Schweinefleisch ist besser
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Und ich lobe mir das Schwein;
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Schweinebraten, Rippenspeer,
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Speck und Schinken, ja, noch mehr,
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Frische Wurst und Metzelsuppe!
96
Hans im Glücke! –

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Dieses alles kannst du haben,
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Gib dafür den Ochsen hin;
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Willst du tauschen? – Herzlich gerne!
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Ja! der Handel ist Gewinn.
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Auf! mein Schweinchen, trabe du
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Lustig unserm Dorfe zu;
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Ja! die Mutter wird mich loben,
104
Hans im Glücke! –

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Und es hat ein loser Bube
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Bei dem Handel ihn belauscht,
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Hätte gern auf gute Weise
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Sich von ihm das Schwein ertauscht,
109
Kommt daher mit einer Gans,
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Schaut das Schwein an, dann den Hans: –
111
Hast du selbst das Schwein gestohlen,
112
Hans im Glücke? –

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Schwein gestohlen?! – Wie denn anders!
114
Ja! das ist gestohlnes Gut.
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Sei du mir im nächsten Dorfe
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Vor dem Schulzen auf der Hut;
117
Auf der Inquisitenbank,
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Dort im Amthaus... – Gott sei Dank!
119
Das erfahr ich noch bei Zeiten,
120
Hans im Glücke! –

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Nun! dir wäre schon zu helfen,
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Mach ich doch mir nichts daraus;
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Gib das Schwein und nimm den Vogel,
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Ich gehöre hier zu Haus,
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Weiß die Schliche durch den Wald,
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Man ertappt mich nicht so bald. –
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Ei! schon wieder außer Sorgen,
128
Hans im Glücke!

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Freuen wird sich doch die Mutter,
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Eine Gans ist gar kein Hund,
131
Und nach gutem Gänsebraten
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Wässert lange mir der Mund;
133
Und das edle Gänsefett!
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Und die Daunen für das Bett!
135
Ei! wie wirst darauf du schlafen,
136
Hans im Glücke!

137
Nicht das Beste zu vergessen,
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Auch der Federkiele viel!
139
Nichts ist mächtiger auf Erden,
140
Als ein solcher Gänsekiel,
141
Wenn der Kantor Wahres spricht;
142
Aber schreiben kannst du nicht,
143
Hättest schreiben du gelernt,
144
Hans im Glücke! –

145
Und ein lust'ger Scherenschleifer
146
Kam daher die Straß entlang,
147
Machte Halt mit seinem Karren,
148
Rieb die Hände sich und sang:
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Geld im Sack und nimmer Not!
150
Meine Kunst ist sichres Brot. –
151
Könnt ich diese Kunst, so wär ich
152
Hans im Glücke. –

153
Kerl, wo hast du diese Gans her? –
154
Hab getauscht sie für mein Schwein. –
155
Und dein Schwein? – für meinen Ochsen. –
156
Diesen? – für den Schimmel mein. –
157
Und den Schimmel? – für mein Gold. –
158
Gold?! – ja; meiner Dienste Sold. –
159
Blitz! du hast dich stets gebessert,
160
Hans im Glücke!

161
Aber eins mußt du bedenken:
162
Eine Gans ist bald verzehrt,
163
Mußt auf eine Kunst dich legen,
164
Die ein sichres Brot gewährt. –
165
Meister, ja, das mein ich auch;
166
Lehrt mich Scherenschleifer-Brauch,
167
Bin ich Scherenschleifer, bin ich
168
Hans im Glücke. –

169
Willst dafür die Gans mir geben? –
170
Ja! es lohnet wohl der Kauf. –
171
Zwei der Steine, die da lagen,
172
Hebt der Schalk vom Boden auf,
173
Wohlgerundet, glatt und rein,
174
Nicht zu groß und nicht zu klein:
175
Wirst ein tücht'ger Scherenschleifer,
176
Hans im Glücke.

177
Her die Gans, und nimm die Steine,
178
Trage sie im Arme, so!
179
Auf dem klopfst du, auf dem schleifst du,
180
Und das ist das A und O.
181
Geld im Sack und nimmer Not,
182
Deine Kunst ist sichres Brot;
183
Alles andre wird sich finden,
184
Hans im Glücke. –

185
Und er nimmt mit Gans und Karren
186
Schnell den nächsten Seitensteg;
187
Hans mit seinen Steinen ziehet
188
Jubilierend seinen Weg:
189
Alles, alles trifft mir ein,
190
Muß ein Sonntagskind wohl sein,
191
Und auf Glückeshaut geboren,
192
Hans im Glücke! –

193
Aber späte war's geworden,
194
Fern das Dorf, und Essenszeit,
195
Nichts gegessen, nichts getrunken,
196
Hunger, Durst und Müdigkeit;
197
Und die Steine waren schwer,
198
Drückten, wie das Gold, auch sehr:
199
Holte die der Teufel, wär ich
200
Hans im Glücke! –

201
Dort am Brunnen will er trinken,
202
Setzt, wie ein bedächt'ger Mann,
203
Auf den Rand die Steine nieder,
204
Schaut sich um und stößt daran;
205
Plump! sie liegen in dem Grund,
206
Und er lacht den Bauch sich rund;
207
Auch der Wunsch ist eingetroffen,
208
Hans im Glücke!

209
Zu der Mutter! ruft er freudig,
210
Zu der Mutter, leicht zu Fuß!
211
Sollst mich loben! sollst dich freuen!
212
Bringe Glückesüberfluß;
213
Alles, alles trifft mir ein,
214
Muß ein Sonntagskind wohl sein,
215
Und auf Glückeshaut geboren,
216
Hans im Glücke!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Adelbert von Chamisso
(17811838)

* 30.01.1781 in Châlons-en-Champagne, † 21.08.1838 in Berlin

männlich, geb. Chamisso

| Bronchialkarzinom

deutscher Naturforscher und Dichter (1781–1838)

(Aus: Wikidata.org)

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