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»hab ich den Markt und die Straßen doch nie so einsam gesehen!
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Ist doch die Stadt wie gekehrt! wie ausgestorben! Nicht funfzig,
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Deucht mir, blieben zurück von allen unsern Bewohnern.
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Was die Neugier nicht tut! So rennt und läuft nun ein jeder,
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Um den traurigen Zug der armen Vertriebnen zu sehen.
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Bis zum Dammweg, welchen sie ziehn, ist's immer ein Stündchen,
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Und da läuft man hinab, im heißen Staube des Mittags.
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Möcht ich mich doch nicht rühren vom Platz, um zu sehen das Elend
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Guter fliehender Menschen, die nun, mit geretteter Habe,
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Leider das überrheinische Land, das schöne, verlassend,
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Zu uns herüberkommen und durch den glücklichen Winkel
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Dieses fruchtbaren Tals und seiner Krümmungen wandern.
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Trefflich hast du gehandelt, o Frau, daß du milde den Sohn fort
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Schicktest, mit altem Linnen und etwas Essen und Trinken,
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Um es den Armen zu spenden; denn Geben ist Sache des Reichen.
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Was der Junge doch fährt! und wie er bändigt die Hengste!
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Sehr gut nimmt das Kütschchen sich aus, das neue; bequemlich
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Säßen viere darin und auf dem Bocke der Kutscher.
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Diesmal fuhr er allein; wie rollt' es leicht um die Ecke!«
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So sprach, unter dem Tore des Hauses sitzend am Markte,
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Wohlbehaglich, zur Frau der Wirt zum Goldenen Löwen.
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Und es versetzte darauf die kluge, verständige Hausfrau:
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»vater, nicht gerne verschenk ich die abgetragene Leinwand;
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Denn sie ist zu manchem Gebrauch, und für Geld nicht zu haben,
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Wenn man ihrer bedarf. Doch heute gab ich so gerne
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Manches bessere Stück an Überzügen und Hemden;
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Denn ich hörte von Kindern und Alten, die nackend dahergehn.
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Und besonders den Schlafrock mit indianischen Blumen,
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Von dem feinsten Kattun, mit feinem Flanelle gefüttert,
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Gab ich hin; er ist dünn und alt und ganz aus der Mode.«
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Als er so sprach, vermehrten sich immer die Scharen der Männer
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Und der Weiber, die über den Markt sich nach Hause begaben
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Und so kam auch zurück mit seinen Töchtern gefahren
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Rasch, an die andere Seite des Markts, der begüterte Nachbar,
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An sein erneuertes Haus, der erste Kaufmann des Ortes,
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Im geöffneten Wagen (er war in Landau verfertigt).
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Lebhaft wurden die Gassen; denn wohl war bevölkert das Städtchen,
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Mancher Fabriken befliß man sich da und manches Gewerbes.
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Über das wandernde Volk mit mancher Bemerkung ergötzend.
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Endlich aber begann die würdige Hausfrau und sagte:
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»seht! dort kommt der Prediger her; es kommt auch der Nachbar
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Apotheker mit ihm: die sollen uns alles erzählen,
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Was sie draußen gesehn und was zu schauen nicht froh macht.«
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Freundlich kamen heran die beiden und grüßten das Ehpaar,
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Setzten sich auf die Bänke, die hölzernen, unter dem Torweg,
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Staub von den Füßen schüttelnd und Luft mit dem Tuche sich fächelnd.
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Da begann denn zuerst, nach wechselseitigen Grüßen,
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Der Apotheker zu sprechen und sagte, beinahe verdrießlich:
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»so sind die Menschen fürwahr! und einer ist doch wie der andre,
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Daß er zu gaffen sich freut, wenn den Nächsten ein Unglück befället!
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Läuft doch jeder, die Flamme zu sehn, die verderblich emporschlägt,
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Jeder, den armen Verbrecher, der peinlich zum Tode geführt wird.
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Jeder spaziert nun hinaus, zu schauen der guten Vertriebnen
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Elend, und niemand bedenkt, daß ihn das ähnliche Schicksal
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Auch vielleicht zunächst betreffen kann, oder doch künftig.
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Unverzeihlich find ich den Leichtsinn; doch liegt er im Menschen.«
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Und es sagte darauf der edle, verständige Pfarrherr,
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Er, die Zierde der Stadt, ein Jüngling, näher dem Manne.
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Dieser kannte das Leben und kannte der Hörer Bedürfnis,
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War vom hohen Werte der heiligen Schriften durchdrungen,
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Die uns der Menschen Geschick enthüllen und ihre Gesinnung;
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Und so kannt er auch wohl die besten weltlichen Schriften.
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Dieser sprach: »Ich tadle nicht gern, was immer dem Menschen
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Für unschädliche Triebe die gute Mutter Natur gab;
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Denn was Verstand und Vernunft nicht immer vermögen, vermag oft
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Solch ein glücklicher Hang, der unwiderstehlich uns leitet.
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Lockte die Neugier nicht den Menschen mit heftigen Reizen,
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Sagt! erführ er wohl je, wie schön sich die weltlichen Dinge
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Gegeneinander verhalten? Denn erst verlangt er das Neue,
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Suchet das Nützliche dann mit unermüdetem Fleiße;
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In der Jugend ist ihm ein froher Gefährte der Leichtsinn,
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Der die Gefahr ihm verbirgt und heilsam geschwinde die Spuren
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Tilget des schmerzlichen Übels, sobald es nur irgend vorbeizog.
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Freilich ist er zu preisen, der Mann, dem in reiferen Jahren
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Sich der gesetzte Verstand aus solchem Frohsinn entwickelt,
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Der im Glück wie im Unglück sich eifrig und tätig bestrebet;
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Denn das Gute bringt er hervor und ersetzet den Schaden.«
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»schwerlich«, versetzte darauf der Apotheker mit Nachdruck,
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»werd ich so bald mich freun nach dem, was ich alles erfahren.
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Und wer erzählet es wohl, das mannigfaltigste Elend!
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Schon von ferne sahn wir den Staub, noch eh wir die Wiesen
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Abwärts kamen; der Zug war schon von Hügel zu Hügel
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Unabsehlich dahin, man konnte wenig erkennen.
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Als wir nun aber den Weg, der quer durchs Tal geht, erreichten,
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War Gedräng und Getümmel noch groß der Wandrer und Wagen.
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Leider sahen wir noch genug der Armen vorbeiziehn,
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Konnten einzeln erfahren, wie bitter die schmerzliche Flucht sei
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Und wie froh das Gefühl des eilig geretteten Lebens.
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Traurig war es zu sehn, die mannigfaltige Habe,
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Die ein Haus nur verbirgt, das wohlversehne, und die ein
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Guter Wirt umher an die rechten Stellen gesetzt hat,
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Immer bereit zum Gebrauche, denn alles ist nötig und nützlich,
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Nun zu sehen das alles, auf mancherlei Wagen und Karren
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Durcheinander geladen, mit Übereilung geflüchtet.
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Über dem Schranke lieget das Sieb und die wollene Decke;
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In dem Backtrog das Bett, und das Leintuch über dem Spiegel.
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Ach! und es nimmt die Gefahr, wie wir beim Brande vor zwanzig
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Jahren auch wohl gesehn, dem Menschen alle Besinnung,
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Daß er das Unbedeutende faßt und das Teure zurückläßt.
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Also führten auch hier, mit unbesonnener Sorgfalt,
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Schlechte Dinge sie fort, die Ochsen und Pferde beschwerend:
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Auch so keuchten die Weiber und Kinder, mit Bündeln sich schleppend,
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Unter Körben und Butten voll Sachen keines Gebrauches;
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Denn es verläßt der Mensch so ungern das Letzte der Habe.
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Und so zog auf dem staubigen Weg der drängende Zug fort,
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Ordnungslos und verwirrt. Mit schwächeren Tieren der eine
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Wünschte langsam zu fahren, ein andrer emsig zu eilen.
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Da entstand ein Geschrei der gequetschten Weiber und Kinder
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Und ein Blöken des Viehes, dazwischen der Hunde Gebelfer,
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Und ein Wehlaut der Alten und Kranken, die hoch auf dem schweren
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Übergepackten Wagen auf Betten saßen und schwankten.
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Aber, aus dem Gleise gedrängt, nach dem Rande des Hochwegs
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Irrte das knarrende Rad; es stürzt' in den Graben das Fuhrwerk,
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Umgeschlagen, und weithin entstürzten im Schwunge die Menschen
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Mit entsetzlichem Schrein in das Feld hin, aber doch glücklich.
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Später stürzten die Kasten und fielen näher dem Wagen.
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Wahrlich, wer im Fallen sie sah, der erwartete nun sie
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Unter der Last der Kisten und Schränke zerschmettert zu schauen.
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Und so lag zerbrochen der Wagen, und hülflos die Menschen;
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Denn die übrigen gingen und zogen eilig vorüber,
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Nur sich selber bedenkend und hingerissen vom Strome.
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Und wir eilten hinzu und fanden die Kranken und Alten,
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Die zu Haus und im Bett schon kaum ihr dauerndes Leiden
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Trügen, hier auf dem Boden, beschädigt, ächzen und jammern,
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Von der Sonne verbrannt und erstickt vom wogenden Staube.«
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Und es sagte darauf, gerührt, der menschliche Hauswirt:
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»möge doch Hermann sie treffen und sie erquicken und kleiden.
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Ungern würd ich sie sehn; mich schmerzt der Anblick des Jammers.
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Schon von dem ersten Bericht so großer Leiden gerühret,
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Schickten wir eilend ein Scherflein von unserm Überfluß, daß nur
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Einige würden gestärkt, und schienen uns selber beruhigt.
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Aber laßt uns nicht mehr die traurigen Bilder erneuern;
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Denn es beschleichet die Furcht gar bald die Herzen der Menschen,
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Und die Sorge, die mehr als selbst mir das Übel verhaßt ist.
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Tretet herein in den hinteren Raum, das kühlere Sälchen.
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Nie scheint Sonne dahin, nie dringet wärmere Luft dort
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Durch die stärkeren Mauern; und Mütterchen bringt uns ein Gläschen
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Dreiundachtziger her, damit wir die Grillen vertreiben.
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Hier ist nicht freundlich zu trinken; die Fliegen umsummen die Gläser.«
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Und sie gingen dahin und freuten sich alle der Kühlung.
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Sorgsam brachte die Mutter des klaren, herrlichen Weines,
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In geschliffener Flasche auf blankem, zinnernem Runde,
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Mit den grünlichen Römern, den echten Bechern des Rheinweins. –
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Und so sitzend, umgaben die drei den glänzend gebohnten,
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Runden, braunen Tisch, er stand auf mächtigen Füßen.
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Heiter klangen sogleich die Gläser des Wirtes und Pfarrers;
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Doch unbeweglich hielt der dritte denkend das seine,
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Und es fordert' ihn auf der Wirt mit freundlichen Worten:
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»frisch, Herr Nachbar, getrunken! denn noch bewahrte vor Unglück
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Gott uns gnädig und wird auch künftig uns also bewahren.
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Denn wer erkennt es nicht, daß seit dem schrecklichen Brande,
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Da er so hart uns gestraft, er uns nun beständig erfreut hat
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Und beständig beschützt, so wie der Mensch sich des Auges
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Köstlichen Apfel bewahrt, der vor allen Gliedern ihm lieb ist.
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Sollt er fernerhin nicht uns schützen und Hülfe bereiten?
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Denn man sieht es erst recht, wie viel er vermag, in Gefahren;
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Sollt er die blühende Stadt, die er erst durch fleißige Bürger
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Da versetzte der Wirt mit männlichen, klugen Gedanken:
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»wie begrüßt ich so oft mit Staunen die Fluten des Rheinstroms,
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Wenn ich, reisend nach meinem Geschäft, ihm wieder mich nahte
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Immer schien er mir groß und erhob mir Sinn und Gemüte;
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Sollte werden ein Wall, um abzuwehren den Franken,
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Und sein verbreitetes Bett ein allverhindernder Graben.
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Seht, so schützt die Natur, so schützen die wackeren Deutschen,
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Und so schützt uns der Herr; wer wollte töricht verzagen?
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Müde schon sind die Streiter, und alles deutet auf Frieden.
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Möge doch auch, wenn das Fest, das lang er wünschte, gefeiert
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Wird in unserer Kirche, die Glocke dann tönt zu der Orgel
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Und die Trompete schmettert, das hohe Tedeum begleitend, –
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Möge mein Hermann doch auch an diesem Tage, Herr Pfarrer,
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Mit der Braut, entschlossen, vor Euch am Altare sich stellen
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Und das glückliche Fest, in allen den Landen begangen,
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Auch mir künftig erscheinen, der häuslichen Freuden ein Jahrstag!
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Aber ungern seh ich den Jüngling, der immer so tätig
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Mir in dem Hause sich regt, nach außen langsam und schüchtern.
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Wenig findet er Lust, sich unter Leuten zu zeigen;
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Ja, er vermeidet sogar der jungen Mädchen Gesellschaft
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Und den fröhlichen Tanz, den alle Jugend begehret.«