Und so geschah's! Dem friedenreichen Klange

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Johann Wolfgang Goethe: Und so geschah's! Dem friedenreichen Klange Titel entspricht 1. Vers(1807)

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Und so geschah's! Dem friedenreichen Klange
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Bewegte sich das Land, und segenbar
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Ein frisches Glück erschien: im Hochgesange
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Begrüßten wir das junge Fürstenpaar;
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Im Vollgewühl, in lebensregem Drange
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Vermischte sich die tät'ge Völkerschar,
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Lind festlich ward an die geschmückten Stufen
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Die

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Da hör ich schreckhaft mitternächt'ges Läuten,
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Das dumpf und schwer die Trauertöne schwellt.
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Ist's möglich? Soll es unsern Freund bedeuten,
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An den sich jeder Wunsch geklammert hält?
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Den Lebenswürd'gen soll der Tod erbeuten?
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Ach! wie verwirrt solch ein Verlust die Welt!
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Ach! was zerstört ein solcher Riß den Seinen!
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Nun weint die Welt, und sollten wir nicht weinen?

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Denn er war unser! Wie bequem gesellig
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Den hohen Mann der gute Tag gezeigt,
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Wie bald sein Ernst, anschließend, wohlgefällig,
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Zur Wechselrede heiter sich geneigt,
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Bald raschgewandt, geistreich und sicherstellig
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Der Lebensplane tiefen Sinn erzeugt
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Und fruchtbar sich in Rat und Tat ergossen;
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Das haben wir erfahren und genossen.

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Denn er war unser! Mag das stolze Wort
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Den lauten Schmerz gewaltig übertönen!
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Er mochte sich bei uns im sichern Port
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Nach wildem Sturm zum Dauernden gewöhnen.
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Indessen schritt sein Geist gewaltig fort
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Ins Ewige des Wahren, Guten, Schönen,
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Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine,
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Lag, was uns alle bändigt, das Gemeine.

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Nun schmückt' er sich die schöne Gartenzinne,
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Von wannen er der Sterne Wort vernahm,
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Das dem gleich ew'gen, gleich lebend'gen Sinne
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Geheimnisvoll und klar entgegenkam.
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Dort, sich und uns zu köstlichem Gewinne,
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Verwechselt' er die Zeiten wundersam,
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Begegnet' so, im Würdigsten beschäftigt,
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Der Dämmerung, der Nacht, die uns entkräftigt.

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Ihm schwollen der Geschichte Flut' auf Fluten,
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Verspülend, was getadelt, was gelobt,
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Der Erdbeherrscher wilde Heeresgluten,
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Die in der Welt sich grimmig ausgetobt,
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Im niedrig Schrecklichsten, im höchsten Guten
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Nach ihrem Wesen deutlich durchgeprobt. –
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Nun sank der Mond, und zu erneuter Wonne
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Vom klaren Berg herüber stieg die Sonne.

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Nun glühte seine Wange rot und röter
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Von jener Jugend, die uns nie entfliegt,
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Von jenem Mut, der früher oder später
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Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt,
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Von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter,
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Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt,
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Damit das Gute wirke, wachse, fromme,
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Damit der Tag dem Edlen endlich komme.

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Doch hat er, so geübt, so vollgehaltig,
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Dies bretterne Gerüste nicht verschmäht;
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Hier schildert' er das Schicksal, das gewaltig
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Von Tag zu Nacht die Erdenachse dreht,
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Und manches tiefe Werk hat, reichgestaltig,
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Den Wert der Kunst, des Künstlers Wert erhöht.
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Er wendete die Blüte höchsten Strebens,
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Das Leben selbst, an dieses Bild des Lebens.

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Ihr kanntet ihn, wie er mit Riesenschritte
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Den Kreis des Wollens, des Vollbringens maß,
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Durch Zeit und Land, der Völker Sinn und Sitte,
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Das dunkle Buch mit heiterm Blicke las;
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Doch wie er atemlos in unsrer Mitte
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In Leiden bangte, kümmerlich genas,
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Das haben wir in traurig schönen Jahren,
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Denn er war unser, leidend miterfahren.

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Ihn, wenn er vom zerrüttenden Gewühle
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Des bittern Schmerzes wieder aufgeblickt,
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Ihn haben wir dem lästigen Gefühle
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Der Gegenwart, der stockenden, entrückt,
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Mit guter Kunst und ausgesuchtem Spiele
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Den neubelebten edlen Sinn erquickt
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Und noch am Abend vor den letzten Sonnen
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Ein holdes Lächeln glücklich abgewonnen.

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Er hatte früh das strenge Wort gelesen,
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Dem Leiden war er, war dem Tod vertraut.
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So schied er nun, wie er so oft genesen;
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Nun schreckt uns das, wofür uns längst gegraut.
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Doch schon erblicket sein verklärtes Wesen
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Sich hier verklärt, wenn es herniederschaut.
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Was Mitwelt sonst an ihm beklagt, getadelt,
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Es hat's der Tod, es hat's die Zeit geadelt.

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Auch manche Geister, die mit ihm gerungen,
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Sein groß Verdienst unwillig anerkannt,
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Sie fühlen sich von seiner Kraft durchdrungen,
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In seinem Kreise willig festgebannt:
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Zum Höchsten hat er sich emporgeschwungen,
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Mit allem, was wir schätzen, eng verwandt.
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So feiert
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Nur halb erteilt, soll ganz die Nachwelt geben.

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So bleibt er uns, der vor so manchen Jahren –
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Schon zehne sind's! – von uns sich weggekehrt!
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Wir haben alle segenreich erfahren,
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Die Welt verdank ihm, was er sie gelehrt;
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Schon längst verbreitet sich's in ganze Scharen,
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Das Eigenste, was ihm allein gehört.
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Er glänzt uns vor, wie ein Komet entschwindend,
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Unendlich Licht mit seinem Licht verbindend.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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