Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen

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Johann Wolfgang Goethe: Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen (1800)

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Natur und Kunst, sie scheinen sich zu fliehen
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Und haben sich, eh man es denkt, gefunden;
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Der Widerwille ist auch mir verschwunden,
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Und beide scheinen gleich mich anzuziehen.

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Es gilt wohl nur ein redliches Bemühen!
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Und wenn wir erst in abgemeßnen Stunden
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Mit Geist und Fleiß uns an die Kunst gebunden,
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Mag frei Natur im Herzen wieder glühen.

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So ist's mit aller Bildung auch beschaffen:
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Vergebens werden ungebundne Geister
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Nach der Vollendung reiner Höhe streben.

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Wer Großes will, muß sich zusammenraffen;
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In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister,
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Und das Gesetz nur kann uns Freiheit geben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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