Kinderverstand

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Johann Wolfgang Goethe: Kinderverstand (1790)

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In großen Städten lernen früh
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Die jüngsten Knaben was;
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Denn manche Bücher lesen sie
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Und hören dies und das
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Vom Lieben und vom Küssen,
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Sie brauchten's nicht zu wissen.
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Und mancher ist im zwölften Jahr
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Fast klüger, als sein Vater war,
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Da er die Mutter nahm.

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Das Mädchen wünscht von Jugend auf
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Sich hochgeehrt zu sehn,
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Sie ziert sich klein und wächst herauf
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In Pracht und Assembleen.
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Der Stolz verjagt die Triebe
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Der Wollust und der Liebe,
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Sie sinnt nur drauf, wie sie sich ziert,
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Ein Aug entzückt, ein Herze rührt,
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Und denkt ans andre nicht.

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Auf Dörfern sieht's ganz anders aus,
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Da treibt die liebe Not
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Die Jungen auf das Feld hinaus
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Nach Arbeit und nach Brot.
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Wer von der Arbeit müde,
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Läßt gern den Mädchen Friede.
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Und wer noch obendrein nichts weiß,
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Der denkt an nichts, den macht nichts heiß;
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So geht's den Bauern meist.

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Die Bauernmädchen aber sind
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In Ruhe mehr genährt,
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Und darum wünschen sie geschwind,
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Was jede Mutter wehrt.
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Oft stoßen schöckernd Bräute
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Den Bräut'gam in die Seite,
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Denn von der Arbeit, die sie tun,
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Sich zu erholen, auszuruhn,
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Das können sie dabei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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