Triumph der Tugend

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Johann Wolfgang Goethe: Triumph der Tugend (1790)

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Von stiller Wollust eingeladen,
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Drang in den Tempel der Dryaden
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Mit seinem Mädchen Daphnis ein,
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Um zärtlich ohnbemerkt zu sein.
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Des Taxus Nacht umgab den Fuß der Eichen,
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Nur Vögel hüpften auf den Zweigen,
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Rings um sie her lag feierliches Schweigen,
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Als wären sie auf dieser Welt allein.

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Sie saßen tändelnd in dem Kühlen.
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Allein, dem Herzen nah, das uns so zärtlich liebt –
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Wem Amor solch ein Glücke gibt,
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Wird der nicht mehr als sonsten fühlen?
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Und unser Paar fing bald an, mehr zu fühlen.

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Des Mädchens zärtlich Herz lag ganz in ihrem Blicke,
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Halb lächelnd nennt sie ihn ihr bestes, größtes Glücke.
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Sein Herz, von heißem Blut erfüllt,
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Drückt sich an ihrs, läßt nach, drückt wieder;
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Und wenn das Blut einmal von Liebe schwillt,
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Reißt es gar leicht der Ehrfurcht Grenzen nieder.

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Konnt Daphnis wohl dem Reiz des Busens widerstehn?
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Bei jedem Kuß durchglüht' ihn neues Feuer,
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Bei jedem Kusse ward er freier,
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Und sie – und sie – ließ es geschehn.

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Der Schäfer fühlt ein taumelndes Entzücken,
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Und da sie schweigt, da jetzt in ihren Blicken
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Anstatt der Munterkeit ein sanfter Kummer liegt,
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Glaubt er sie auf dem Grad von feurigen Entzücken,
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Wo man die Mädchen leicht besiegt.

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Sie war an seine Brust gesunken,
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Und er zuletzt, von Wollust trunken,
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Erbat sich, Amor, Sieg von dir.
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Doch schnell entriß sie sich den Armen,
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Die sie umfaßten: »Aus Erbarmen«,
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Rief sie, »komm, eile weg von hier.«
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Bestürzt und zitternd folgt er ihr.

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Da sprach sie zärtlich: »Laß nicht mehr
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Dich die Gelegenheit verführen;
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O Freund, ich liebe dich zu sehr,
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Um dich unwürdig zu verlieren.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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