15

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Johann Wolfgang Goethe: 15 (1816)

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Von Berges Luft, dem Äther gleich zu achten,
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Umweht, auf Gipfelfels hochwaldiger Schlünde,
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Im engsten Stollen wie in tiefsten Schachten
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Ein Licht zu suchen, das den Geist entzünde,
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War ein gemeinsam köstliches Betrachten,
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Ob nicht Natur zuletzt sich doch ergründe.
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Und manches Jahr des stillsten Erdelebens
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Ward so zum Zeugen edelsten Bestrebens.

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Im Garten auch, wo Dichterblumen sprossen,
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Den äußern Sinn, den innern Sinn erquicken,
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Gefahrlos nicht vor luftigen Geschossen,
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Wie sie Eroten hin und wider schicken,
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Da haben wir der Stunden viel genossen
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An frisch belebter Vorwelt heitern Blicken,
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Gesellend uns den ewig teuren Geistern,
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Den stets beredten, unerreichten Meistern.

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Dahin bewegten wir von dornigen Pfaden
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Verworrnen Lebens gern die müden Schritte,
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Dort fanden sich, zu gleicher Lust geladen,
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Der Männer Tiefsinn, Frauengeist und – sitte
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Und Wissenschaft und Kunst und alle Gnaden
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Des Musengottes reich in unsrer Mitte,
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Bis endlich, längst umwölkt, der Himmel wettert,
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Das Paradies und seinen Hain zerschmettert.

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Nun aber Friede tröstend wiederkehret,
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Kehrt unser Sinn sich treulich nach dem Alten,
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Zu bauen auf, was Kampf und Zug zerstöret,
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Zu sichern, wie's ein guter Geist erhalten. –

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Verwirrend ist's, wenn man die Menge höret;
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Denn jeder will nach eignem Willen schalten;
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Beharren wir zusamt in gleichem Sinne,
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Das rechn' ich uns zum köstlichsten Gewinne.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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