Aus Byrons Manfred

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Johann Wolfgang Goethe: Aus Byrons Manfred (1817)

1
Wenn der Mond ist auf der Welle,
2
Wenn der Glühwurm ist im Gras
3
Und ein Scheinlicht auf dem Grabe,
4
Irres Licht auf dem Morast,
5
Wenn die Sterne fallend schießen,
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Eule der Eul erwidernd heult
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Und die Blätter schweigend ruhen
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An des dunkeln Hügels Wand,
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Meine Seel sei auf der deinen
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Mit Gewalt und Zeichenwink!

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Ist dein Schlummer noch so tief,
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Kommt dein Geist doch nie zum Schlaf.
13
Da sind Schatten, die nicht schwinden,
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Da Gedanken, die nicht bannest.
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Die Gewalt, die du nicht kennest,
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Läßt dich nimmermehr allein.
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Bist ins Leichentuch gewindelt,
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Eingehüllt in einer Wolke,
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Und für immer, immer wohnst du
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In dem Geiste dieses Spruchs.

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Siehst mich nicht vorübergehen,
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Fühlst mich doch in deinem Auge
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Als ein Ding, das ungesehen
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Nah dir sein muß, wie es war;
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Und wenn du, geheim durchschaudert,
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Deinen Kopf umwendend blickest,
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Sollst dich wundern, daß nicht etwa
28
Wie ein Schatten bin zur Stelle;
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Nein! die Kraft, die du empfunden,
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Ist, was sich in dir verbirgt.

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Und ein Zauberwort und Lied
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Taufte dich mit einem Fluch,
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Und schon hat ein Geist der Luft
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Dich umgarnt mit einer Schlinge.
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In dem Wind ist eine Stimme,
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Die verbeut dir, dich zu freuen.
37
Und wenn dir die Nacht versagt
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Ihres reinen Himmels Ruhe,
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Bringt der Tag eine Sonn herauf,
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Wär sie nieder! wünschest du.

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Deinen falschen Tränen zog ich
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Tödlichste Essenzen aus,
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Deinem eignen Herzen sog ich
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Blut, das schwärzeste, vom Quell,
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Deinem Lächeln lockt ich Schlangen,
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Dort geheim geringelt, ab,
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Deinem Lippenpaar entsaugt ich
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Allerschlimmstes aller Gifte.
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Jedem Gift, das ich erprobet,
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Schlimmer ist dein eignes doch.

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Bei deiner kalten Brust, dem Schlangenlächeln,
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Der Arglist unergründlichem Schlund,
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Bei dem so tugendsam scheinenden Auge,
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Bei der verschlossenen Seele Trug,
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Bei der Vollendung deiner Künste,
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Dem Wahn, du tragest ein menschliches Herz,
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Bei deinem Gefallen an anderer Pein,
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Bei deiner Kains-Bruderschaft
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Beschwöre ich dich und nötige
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Dich, selbst dir eigne Hölle zu sein!

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Auf dein Haupt gieß ich die Schale,
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Die dich solchem Urteil widmet:
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Nicht zu schlafen, nicht zu sterben
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Sei dein dauernd Mißgeschick;
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Scheinbar soll der Tod sich nahen
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Deinem Wunsch, doch nur als Grauen.
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Schau! der Zauber wirkt umher dir,
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Dich geklirrlos fesselt Kette;
69
Über Herz und Hirn zusammen
70
Ist der Spruch ergangen – schwinde!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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