Entoptische Farben

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Johann Wolfgang Goethe: Entoptische Farben (1817)

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Laß dir von den Spiegeleien
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Unsrer Physiker erzählen,
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Die am Phänomen sich freuen,
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Mehr sich mit Gedanken quälen.

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Spiegel hüben, Spiegel drüben,
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Doppelstellung, auserlesen;
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Und dazwischen ruht im Trüben
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Als Kristall das Erdewesen.

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Dieses zeigt, wenn jene blicken,
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Allerschönste Farbenspiele;
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Dämmerlicht, das beide schicken,
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Offenbart sich dem Gefühle.

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Schwarz wie Kreuze wirst du sehen,
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Pfauenaugen kann man finden;
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Tag und Abendlicht vergehen,
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Bis zusammen beide schwinden.

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Und der Name wird ein Zeichen,
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Tief ist der Kristall durchdrungen:
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Aug in Auge sieht dergleichen
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Wundersame Spiegelungen.

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Laß den Makrokosmus gelten,
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Seine spenstischen Gestalten!
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Da die lieben kleinen Welten
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Wirklich Herrlichstes enthalten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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