Im Vorübergehn

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Johann Wolfgang Goethe: Im Vorübergehn (1790)

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Ich ging im Felde
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So für mich hin,
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Und nichts zu suchen,
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Das war mein Sinn.

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Da stand ein Blümchen
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Sogleich so nah,
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Daß ich im Leben
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Nichts lieber sah.

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Ich wollt es brechen,
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Da sagt' es schleunig:
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»ich habe Wurzeln,
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Die sind gar heimlich.

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Im tiefen Boden
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Bin ich gegründet;
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Drum sind die Blüten
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So schön geründet.

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Ich kann nicht liebeln,
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Ich kann nicht schranzen;
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Mußt mich nicht brechen,
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Mußt mich verpflanzen.«

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Ich ging im Walde
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So vor mich hin;
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Ich war so heiter,
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Wollt immer weiter –
25
Das war mein Sinn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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