Aus einem Stammbuch von 1604

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Johann Wolfgang Goethe: Aus einem Stammbuch von 1604 (1818)

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Hoffnung beschwingt Gedanken, Liebe Hoffnung,
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In klarster Nacht hinauf zu Cynthien, Liebe!
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Und sprich: wie sie sich oben umgestaltet,
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So auf der Erde schwindet, wächst mein Glück.
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Und wispere sanft-bescheiden ihr ans Ohr,
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Wie Zweifel oft das Haupt hing, Treue tränte.
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Und ihr, Gedanken, mißzutraun geneigt,
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Beschilt euch die Geliebte dessenthalb,
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So sagt: ihr wechselt zwar, doch ändert nicht,
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Wie sie dieselbe bleibt und immer wechselt.
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Untrauen tritt ins Herz, vergiftet's nicht,
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Denn Lieb ist süßer, von Verdacht gewürzt.
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Wenn sie verdrießlich dann das Aug umwölkt,
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Des Himmels Kläre widerwärtig schwärzt,
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Dann, Seufzerwinde, scheucht die Wolken weg,
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Tränt nieder, sie in Regen aufzulösen.
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Gedanke, Hoffnung, Liebe bleibt nur dort,
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Bis Cynthia scheint, wie sie mir sonst getan.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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