Einer hohen Reisenden

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Wolfgang Goethe: Einer hohen Reisenden (1808)

1
Wohin du trittst, wird uns verklärte Stunde,
2
Dir leuchtet Klarheit frisch vom Angesicht,
3
Vom Auge Gutheit, Lieblichkeit vom Munde,
4
Aus Wolken dringt ein reines Himmelslicht.
5
Der Ungeheuer Schwarm im Hintergrunde,
6
Er drängt, er droht, jedoch er schreckt dich nicht,
7
Wie du mit Freiheit unbefangen schreitest,
8
Das Herz erhebst und jeden Geist erweitest.

9
So wandelst du, dein Ebenbild zu schauen,
10
Das majestätisch uns von oben blickt,
11
Der Mütter Urbild, Königin der Frauen,
12
Ein Wunderpinsel hat sie ausgedrückt.
13
Ihr beugt ein Mann, mit liebevollem Grauen,
14
Ein Weib die Knie, in Demut still entzückt;
15
Du aber kommst, ihr deine Hand zu reichen,
16
Als wärest du zu Haus bei deinesgleichen.

17
Doch schreite weiter, was auch hier sich finde,
18
Zum Lande hin, dem doch kein andres gleicht,
19
Wo uns Natur befreit, wie Kunst auch binde,
20
Der Geist sich stählt, wenn sich das Herz erweicht,
21
Vor stillem Schaun so Zeit- als Volksgewinde
22
Zum Abgrund wallt, zur Himmelshöhe steigt:
23
Dorthin gehörst du, die du schaffend strebest,
24
Die Trümmer herstellst, Totes neu belebest.

25
Führ uns indes durch blumenreiche Matten,
26
Am breiten Fluß durchs wohlbekannte Tal,
27
Wo Reben sich um Sonnenhügel gatten,
28
Der Fels dich schützt vor mächt'gem Sonnenstrahl;
29
Genieße froh der engen Laube Schatten,
30
Der reinen Milch unschuldig würd'ges Mahl,
31
Und hier und dort vergönn, an deinen Blicken,
32
An deinem Wort uns ewig zu entzücken!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.