Magisches Netz

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Johann Wolfgang Goethe: Magisches Netz (1803)

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Sind es Kämpfe, die ich sehe?
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Sind es Spiele? sind es Wunder?
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Fünf der allerliebsten Knaben
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Gegen fünf Geschwister streitend,
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Regelmäßig, taktbeständig,
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Einer Zaubrin zu Gebote.

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Blanke Spieße führen jene,
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Diese flechten schnelle Fäden,
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Daß man glaubt, in ihren Schlingen
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Werde sich das Eisen fangen.
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Bald gefangen sind die Spieße;
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Doch im leichten Kriegestanze
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Stiehlt sich einer nach dem andern
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Aus der zarten Schleifenreihe,
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Die sogleich den freien haschet,
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Wenn sie den gebundnen löset.

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So mit Ringen, Streiten, Siegen,
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Wechselflucht und Wiederkehren
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Wird ein künstlich Netz geflochten,
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Himmelsflocken gleich an Weiße,
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Die vom Lichten in das Dichte
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Musterhafte Streifen ziehen,
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Wie es Farben kaum vermöchten.

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Wer empfängt nun der Gewänder
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Allerwünschtes? Wen begünstigt
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Unsre vielgeliebte Herrin
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Als den anerkannten Diener?
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Mich beglückt des holden Loses
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Treu und still ersehntes Zeichen!
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Und ich fühle mich umschlungen,
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Ihrer Dienerschaft gewidmet.

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Doch indem ich so behaglich,
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Aufgeschmückt stolzierend wandle,
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Sieh, da knüpfen jene Losen,
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Ohne Streit, geheim geschäftig,
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Andre Netze, fein und feiner,
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Dämmrungsfäden, Mondenblicke,
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Nachtviolenduft verwebend.

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Eh wir nur das Netz bemerken,
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Ist ein Glücklicher gefangen,
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Den wir andern, den wir alle,
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Segnend und beneidend, grüßen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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