Die Musageten

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Johann Wolfgang Goethe: Die Musageten (1798)

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Oft in tiefen Winternächten
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Rief ich an die holden Musen:
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»keine Morgenröte leuchtet,
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Und es will kein Tag erscheinen;
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Aber bringt zur rechten Stunde
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Mir der Lampe fromm Geleuchte,
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Daß es statt Auror' und Phöbus
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Meinen stillen Fleiß belebe!«
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Doch sie ließen mich im Schlafe,
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Dumpf und unerquicklich, liegen,
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Und nach jedem späten Morgen
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Folgten ungenutzte Tage.

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Da sich nun der Frühling regte,
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Sagt ich zu den Nachtigallen:
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»liebe Nachtigallen, schlaget
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Früh, o früh! vor meinem Fenster,
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Weckt mich aus dem vollen Schlafe,
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Der den Jüngling mächtig fesselt.«
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Doch die lieberfüllten Sänger
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Dehnten nachts vor meinem Fenster
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Ihre süßen Melodien,
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Hielten wach die liebe Seele,
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Regten zartes neues Sehnen
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Aus dem neugerührten Busen.
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Und so ging die Nacht vorüber,
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Und Aurora fand mich schlafen,
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Ja, mich weckte kaum die Sonne.

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Endlich ist es Sommer worden,
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Und beim ersten Morgenschimmer
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Reizt mich aus dem holden Schlummer
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Die geschäftig frühe Fliege.
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Unbarmherzig kehrt sie wieder,
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Wenn auch oft der halb Erwachte
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Ungeduldig sie verscheuchet,
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Lockt die unverschämten Schwestern,
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Und von meinen Augenlidern
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Muß der holde Schlaf entweichen.
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Rüstig spring ich von dem Lager,
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Suche die geliebten Musen,
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Finde sie im Buchenhaine,
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Mich gefällig zu empfangen,
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Und den leidigen Insekten
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Dank ich manche goldne Stunde.
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Seid mir doch, ihr Unbequemen,
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Von dem Dichter hoch gepriesen
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Als die wahren Musageten.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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