Hermann und Dorothea

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Johann Wolfgang Goethe: Hermann und Dorothea (1794)

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Also das wäre Verbrechen, daß einst Properz mich begeistert,
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Daß Martial sich zu mir auch, der verwegne, gesellt?
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Daß ich die Alten nicht hinter mir ließ, die Schule zu hüten,
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Daß sie nach Latium gern mir in das Leben gefolgt?
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Daß ich Natur und Kunst zu schaun mich treulich bestrebe,
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Daß kein Name mich täuscht, daß mich kein Dogma beschränkt?
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Daß nicht des Lebens bedingender Drang mich, den Menschen, verändert,
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Daß ich der Heuchelei dürftige Maske verschmäht?
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Solcher Fehler, die du, o Muse, so emsig gepfleget,
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Zeihet der Pöbel mich; Pöbel nur sieht er in mir.
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Ja, sogar der Bessere selbst, gutmütig und bieder,
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Will mich anders; doch du, Muse, befiehlst mir allein.
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Denn du bist es allein, die noch mir die innere Jugend
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Frisch erneuest und sie mir bis zu Ende versprichst.
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Aber verdopple nunmehr, o Göttin, die heilige Sorgfalt!
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Ach! die Scheitel umwallt reichlich die Locke nicht mehr:
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Da bedarf man der Kränze, sich selbst und andre zu täuschen;
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Kränzte doch Cäsar selbst nur aus Bedürfnis das Haupt.
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Hast du ein Lorbeerreis mir bestimmt, so laß es am Zweige
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Weiter grünen, und gib einst es dem Würdigern hin;
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Aber Rosen winde genug zum häuslichen Kranze;
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Bald als Lilie schlingt silberne Locke sich durch.
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Schüre die Gattin das Feuer, auf reinlichem Herde zu kochen!
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Werfe der Knabe das Reis, spielend, geschäftig dazu!
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Laß im Becher nicht fehlen den Wein! Gesprächige Freunde,
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Gleichgesinnte, herein! Kränze, sie warten auf euch.
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Erst die Gesundheit des Mannes, der, endlich vom Namen Homeros
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Kühn uns befreiend, uns auch ruft in die vollere Bahn.
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Denn wer wagte mit Göttern den Kampf? und wer mit dem Einen?
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Doch Homeride zu sein, auch nur als letzter, ist schön.
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Darum höret das neuste Gedicht! Noch einmal getrunken!
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Euch besteche der Wein, Freundschaft und Liebe das Ohr.
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Deutschen selber führ ich euch zu, in die stillere Wohnung,
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Wo sich, nah der Natur, menschlich der Mensch noch erzieht.
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Uns begleite des Dichters Geist, der seine Luise
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Rasch dem würdigen Freund, uns zu entzücken, verband.
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Auch die traurigen Bilder der Zeit, sie führ ich vorüber;
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Aber es siege der Mut in dem gesunden Geschlecht.
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Hab ich euch Tränen ins Auge gelockt und Lust in die Seele
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Singend geflößt, so kommt, drücket mich herzlich ans Herz!
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Weise denn sei das Gespräch ! Uns lehret Weisheit am Ende
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Das Jahrhundert; wen hat das Geschick nicht geprüft?
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Blicket heiterer nun auf jene Schmerzen zurücke,
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Wenn euch ein fröhlicher Sinn manches entbehrlich erklärt.
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Menschen lernten wir kennen und Nationen; so laßt uns,
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Unser eigenes Herz kennend, uns dessen erfreun.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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