Alexis und Dora

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Johann Wolfgang Goethe: Alexis und Dora (1796)

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Ach! unaufhaltsam strebet das Schiff mit jedem Momente
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Durch die schäumende Flut weiter und weiter hinaus!
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Langhin furcht sich die Geleise des Kiels, worin die Delphine
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Springend folgen, als flöh ihnen die Beute davon.
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Alles deutet auf glückliche Fahrt: der ruhige Bootsmann
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Ruckt am Segel gelind, das sich für alle bemüht;
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Vorwärts dringt der Schiffenden Geist, wie Flaggen und Wimpel;
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Einer nur steht rückwärts traurig gewendet am Mast,
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Sieht die Berge schon blau, die scheidenden, sieht in das Meer sie
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Niedersinken, es sinkt jegliche Freude vor ihm.
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Auch dir ist es verschwunden, das Schiff, das deinen Alexis,
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Dir, o Dora, den Freund, ach! dir den Bräutigam raubt.
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Auch du blickest vergebens nach mir. Noch schlagen die Herzen
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Für einander, doch ach! nun an einander nicht mehr.
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Einziger Augenblick, in welchem ich lebte! du wiegest
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Alle Tage, die sonst kalt mir verschwindenden, auf.
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Ach, nur im Augenblick, im letzten, stieg mir ein Leben
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Unvermutet in dir, wie von den Göttern, herab.
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Nur umsonst verklärst du mit deinem Lichte den Äther;
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Dein alleuchtender Tag, Phöbus, mir ist er verhaßt.
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In mich selber kehr ich zurück; da will ich im stillen
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Wiederholen die Zeit, als sie mir täglich erschien.
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War es möglich, die Schönheit zu sehn und nicht zu empfinden?
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Wirkte der himmlische Reiz nicht auf dein stumpfes Gemüt?
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Klage dich, Armer, nicht an! – So legt der Dichter ein Rätsel,
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Künstlich mit Worten verschränkt, oft der Versammlung ins Ohr.
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Jeden freuet die seltne, der zierlichen Bilder Verknüpfung,
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Aber noch fehlet das Wort, das die Bedeutung verwahrt.
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Ist es endlich entdeckt, dann heitert sich jedes Gemüt auf
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Und erblickt im Gedicht doppelt erfreulichen Sinn.
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Ach, warum so spät, o Amor, nahmst du die Binde,
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Die du ums Aug mir geknüpft, nahmst sie zu spät mir hinweg!
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Lange schon harrte befrachtet das Schiff auf günstige Lüfte;
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Endlich strebte der Wind glücklich vom Ufer ins Meer.
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Leere Zeiten der Jugend! und leere Träume der Zukunft!
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Ihr verschwindet, es bleibt einzig die Stunde mir nur.
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Ja, sie bleibt, es bleibt mir das Glück! ich halte dich, Dora!
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Und die Hoffnung zeigt, Dora, dein Bild mir allein.
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Öfter sah ich zum Tempel dich gehn, geschmückt und gesittet,
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Und das Mütterchen ging feierlich neben dir her.
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Eilig warst du und frisch, zu Markte die Früchte zu tragen;
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Und vom Brunnen, wie kühn! wiegte dein Haupt das Gefäß.
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Da erschien dein Hals, erschien dein Nacken vor allen,
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Und vor allen erschien deiner Bewegungen Maß.
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Oftmals hab ich gesorgt, es möchte der Krug dir entstürzen;
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Doch er hielt sich stet auf dem geringelten Tuch.
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Schöne Nachbarin, ja, so war ich gewohnt, dich zu sehen,
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Wie man die Sterne sieht, wie man den Mond sich beschaut,
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Sich an ihnen erfreut und innen im ruhigen Busen
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Nicht der entfernteste Wunsch, sie zu besitzen, sich regt.
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Jahre, so gingt ihr dahin! Nur zwanzig Schritte getrennet
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Waren die Häuser, und nie hab ich die Schwelle berührt.
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Und nun trennt uns die gräßliche Flut! Du lügst nur den Himmel,
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Welle! dein herrliches Blau ist mir die Farbe der Nacht.
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Alles rührte sich schon; da kam ein Knabe gelaufen
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An mein väterlich Haus, rief mich zum Strande hinab.
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»schon erhebt sich das Segel, es flattert im Winde«, so sprach er;
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»und gelichtet mit Kraft, trennt sich der Anker vom Sand.
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Komm, Alexis, o komm !« Da drückte der wackere Vater
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Würdig die segnende Hand mir auf das lockige Haupt;
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Sorglich reichte die Mutter ein nachbereitetes Bündel:
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»glücklich kehre zurück!« riefen sie, »glücklich und reich!«
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Und so sprang ich hinweg, das Bündelchen unter dem Arme,
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An der Mauer hinab, fand an der Türe dich stehn
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Deines Gartens. Du lächeltest mir und sagtest: »Alexis!
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Sind die Lärmenden dort deine Gesellen der Fahrt?
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Fremde Küsten besuchest du nun, und köstliche Waren
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Handelst du ein, und Schmuck reichen Matronen der Stadt.
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Aber bringe mir auch ein leichtes Kettchen; ich will es
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Dankbar zahlen: so oft hab ich die Zierde gewünscht!«
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Stehen war ich geblieben und fragte, nach Weise des Kaufmanns,
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Erst nach Form und Gewicht deiner Bestellung genau.
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Gar bescheiden erwogst du den Preis! da blickt ich indessen
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Nach dem Halse, des Schmucks unserer Königin wert.
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Heftiger tönte vom Schiff das Geschrei; da sagtest du freundlich:
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»nimm aus dem Garten noch einige Früchte mit dir!
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Nimm die reifsten Orangen, die weißen Feigen; das Meer bringt
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Keine Früchte, sie bringt jegliches Land nicht hervor.«
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Und so trat ich herein. Du brachst nun die Früchte geschäftig,
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Und die goldene Last zog das geschürzte Gewand.
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Öfters bat ich: es sei nun genug! und immer noch eine
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Schönere Frucht fiel dir, leise berührt, in die Hand.
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Endlich kamst du zur Laube hinan; da fand sich ein Körbchen,
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Und die Myrte bog blühend sich über uns hin.
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Schweigend begannest du nun geschickt die Früchte zu ordnen:
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Erst die Orange, die schwer ruht als ein goldener Ball,
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Dann die weichliche Feige, die jeder Druck schon entstellet;
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Und mit Myrte bedeckt ward und geziert das Geschenk.
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Aber ich hob es nicht auf; ich stand. Wir sahen einander
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In die Augen, und mir ward vor dem Auge so trüb.
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Deinen Busen fühlt ich an meinem! Den herrlichen Nacken,
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Ihn umschlang nun mein Arm; tausendmal küßt ich den Hals;
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Mir sank über die Schulter dein Haupt; nun knüpften auch deine
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Lieblichen Arme das Band um den Beglückten herum.
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Amors Hände fühlt ich: er drückt' uns gewaltig zusammen,
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Und aus heiterer Luft donnert' es dreimal. Da floß
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Häufig die Träne vom Aug mir herab, du weintest, ich weinte,
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Und vor Jammer und Glück schien uns die Welt zu vergehn.
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Immer heftiger rief es am Strand; da wollten die Füße
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Mich nicht tragen, ich rief: »Dora! und bist du nicht mein?«
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Wie durch göttliche Luft, leise vom Auge gehaucht.
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Näher rief es: »Alexis!« Da blickte der suchende Knabe
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Durch die Türe herein. Wie er das Körbchen empfing!
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Wie er mich trieb! Wie ich dir die Hand noch drückte! – Zu Schiffe
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Wie ich gekommen? Ich weiß daß ich ein Trunkener schien.
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Und so hielten mich auch die Gesellen, schonten den Kranken;
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Und schon deckte der Hauch trüber Entfernung die Stadt.
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»ewig!« Dora, lispeltest du; mir schallt es im Ohre
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Mit dem Donner des Zeus! Stand sie doch neben dem Thron,
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Seine Tochter, die Göttin der Liebe; die Grazien standen
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Ihr zur Seiten! Er ist götterbekräftigt, der Bund!
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O so eile denn, Schiff, mit allen günstigen Winden!
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Strebe, mächtiger Kiel, trenne die schäumende Flut!
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Bringe dem fremden Hafen mich zu, damit mir der Goldschmied
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In der Werkstatt gleich ordne das himmlische Pfand.
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Wahrlich! zur Kette soll das Kettchen werden, o Dora!
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Neunmal umgebe sie dir, locker gewunden, den Hals!
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Ferner schaff ich noch Schmuck, den mannigfaltigsten; goldne
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Spangen sollen dir auch reichlich verzieren die Hand:
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Da wetteifre Rubin und Smaragd, der liebliche Saphir
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Stelle dem Hyazinth sich gegenüber, und Gold
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Halte das Edelgestein in schöner Verbindung zusammen.
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Oh, wie den Bräutigam freut, einzig zu schmücken die Braut!
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Seh ich Perlen, so denk ich an dich; bei jeglichem Ringe
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Kommt mir der länglichen Hand schönes Gebild in den Sinn.
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Tauschen will ich und kaufen; du sollst das Schönste von allem
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Wählen; ich widmete gern alle die Ladung nur dir.
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Doch nicht Schmuck und Juwelen allein verschafft dein Geliebter:
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Was ein häusliches Weib freuet, das bringt er dir auch.
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Feine wollene Decken mit Purpursäumen, ein Lager
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Zu bereiten, das uns traulich und weichlich empfängt;
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Köstlicher Leinwand Stücke. Du sitzest und nähest und kleidest
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Mich und dich und auch wohl noch ein Drittes darein.
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Bilder der Hoffnung, täuschet mein Herz! O mäßiget, Götter,
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Diesen gewaltigen Brand, der mir den Busen durchtobt!
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Aber auch sie verlang ich zurück, die schmerzliche Freude,
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Wenn die Sorge sich kalt, gräßlich gelassen, mir naht.
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Nicht der Erinnyen Fackel, das Bellen der höllischen Hunde
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Schreckt den Verbrecher so in der Verzweiflung Gefild,
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Als das gelaßne Gespenst mich schreckt, das die Schöne von fern mir
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Zeiget: die Türe steht wirklich des Gartens noch auf!
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Und ein anderer kommt! Für ihn auch fallen die Früchte!
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Und die Feige gewährt stärkenden Honig auch ihm!
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Lockt sie auch ihn nach der Laube? und folgt er? O macht mich, ihr Götter,
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Blind, verwischet das Bild jeder Erinnrung in mir!
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Ja, ein Mädchen ist sie! und die sich geschwinde dem einen
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Gibt, sie kehret sich auch schnell zu dem andern herum.
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Lache nicht diesmal, Zeus, der frech gebrochenen Schwüre!
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Donnere schrecklicher! Triff! – Halte die Blitze zurück!
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Sende die schwankenden Wolken mir nach! Im nächtlichen Dunkel
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Treffe dein leuchtender Blitz diesen unglücklichen Mast!
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Streue die Planken umher, und gib der tobenden Welle
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Diese Waren, und mich gib den Delphinen zum Raub! –
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Nun, ihr Musen, genug! Vergebens strebt ihr zu schildern,
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Wie sich Jammer und Glück wechseln in liebender Brust.
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Heilen könnet die Wunden ihr nicht, die Amor geschlagen;
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Aber Linderung kommt einzig, ihr Guten, von euch.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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