Der getreue Eckart

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Johann Wolfgang Goethe: Der getreue Eckart (1813)

1
»o wären wir weiter, o wär ich zu Haus!
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Sie kommen, da kommt schon der nächtliche Graus;
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Sie sind's, die unholdigen Schwestern.
4
Sie streifen heran, und sie finden uns hier,
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Sie trinken das mühsam geholte, das Bier,
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Und lassen nur leer uns die Krüge.«

7
So sprechen die Kinder und drücken sich schnell;
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Da zeigt sich vor ihnen ein alter Gesell:
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»nur stille, Kind! Kinderlein, stille!
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Die Hulden, sie kommen von durstiger Jagd,
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Und laßt ihr sie trinken, wie's jeder behagt,
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Dann sind sie euch hold, die Unholden.«

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Gesagt so geschehn! und da naht sich der Graus
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Und siehet so grau und so schattenhaft aus,
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Doch schlürft es und schlampft es aufs beste.
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Das Bier ist verschwunden, die Krüge sind leer;
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Nun saust es und braust es, das wütige Heer,
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Ins weite Getal und Gebirge.

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Die Kinderlein ängstlich gen Hause so schnell,
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Gesellt sich zu ihnen der fromme Gesell:
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»ihr Püppchen, nur seid mir nicht traurig.«
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»wir kriegen nun Schelten und Streich' bis aufs Blut.«
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»nein, keineswegs, alles geht herrlich und gut,
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Nur schweiget und horchet wie Mäuslein.

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Und der es euch anrät und der es befiehlt,
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Er ist es, der gern mit den Kindelein spielt,
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Der alte Getreue, der Eckart.
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Vom Wundermann hat man euch immer erzählt,
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Nur hat die Bestätigung jedem gefehlt,
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Die habt ihr nun köstlich in Händen.«

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Sie kommen nach Hause, sie setzen den Krug
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Ein jedes den Eltern bescheiden genug
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Und harren der Schläg und der Schelten.
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Doch siehe, man kostet: ein herrliches Bier!
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Man trinkt in die Runde schon dreimal und vier,
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Und noch nimmt der Krug nicht ein Ende.

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Das Wunder, es dauert zum morgenden Tag.
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Doch fraget, wer immer zu fragen vermag:
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»wie ist's mit den Krügen ergangen?«
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Die Mäuslein, sie lächeln, im stillen ergetzt;
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Sie stammeln und stottern und schwatzen zuletzt,
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Und gleich sind vertrocknet die Krüge.

43
Und wenn euch, ihr Kinder, mit treuem Gesicht
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Ein Vater, ein Lehrer, ein Aldermann spricht,
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So horchet und folget ihm pünktlich!
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Und liegt auch das: Zünglein in peinlicher Hut,
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Verplaudern ist schädlich, verschweigen ist gut;
48
Dann füllt sich das Bier in den Krügen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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