Wirkung in die Ferne

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Johann Wolfgang Goethe: Wirkung in die Ferne (1808)

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Die Königin steht im hohen Saal,
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Da brennen der Kerzen so viele;
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Sie spricht zum Pagen: »Du läufst einmal
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Und holst mir den Beutel zum Spiele.
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Er liegt zur Hand
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Auf meines Tisches Rand.«
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Der Knabe, der eilt so behende,
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War bald an Schlosses Ende.

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Und neben der Königin schlürft zur Stund
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Sorbet die schönste der Frauen.
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Da brach ihr die Tasse so hart an dem Mund,
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Es war ein Greuel zu schauen.
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Verlegenheit! Scham!
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Ums Prachtkleid ist's getan!
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Sie eilt und fliegt so behende
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Entgegen des Schlosses Ende.

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Der Knabe zurück zu laufen kam
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Entgegen der Schönen in Schmerzen,
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Es wußt es niemand, doch beide zusamm',
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Sie hegten einander im Herzen;
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Und o des Glücks,
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Des günst'gen Geschicks!
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Sie warfen mit Brust sich zu Brüsten
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Und herzten und küßten nach Lüsten.

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Doch endlich beide sich reißen los;
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Sie eilt in ihre Gemächer;
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Der Page drängt sich zur Königin groß
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Durch alle die Degen und Fächer.
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Die Fürstin entdeckt
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Das Westchen befleckt:
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Für sie war nichts unerreichbar,
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Der Königin von Saba vergleichbar.

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Und sie die Hofmeisterin rufen läßt:
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»wir kamen doch neulich zu Streite,
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Und Ihr behauptetet steif und fest,
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Nicht reiche der Geist in die Weite;
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Die Gegenwart nur,
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Die lasse wohl Spur;
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Doch niemand wirk in die Ferne,
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Sogar nicht die himmlischen Sterne.

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Nun seht! Soeben ward mir zur Seit
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Der geistige Süßtrank verschüttet,
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Und gleich darauf hat er dort hinten so weit
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Dem Knaben die Weste zerrüttet. –
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Besorg dir sie neu!
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Und weil ich mich freu,
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Daß sie mir zum Beweise gegolten,
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Ich zahl sie! sonst wirst du gescholten.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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