Kriegsglück

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Johann Wolfgang Goethe: Kriegsglück (1814)

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Verwünschter weiß ich, nichts im Krieg,
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Als nicht blessiert zu sein.
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Man geht getrost von Sieg zu Sieg
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Gefahrgewohnt hinein;
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Hat abgepackt und aufgepackt
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Und weiter nichts ereilt,
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Als daß man auf dem Marsch sich plackt,
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Im Lager langeweilt.

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Dann geht das Kantonieren an,
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Dem Bauer eine Last,
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Verdrießlich jedem Edelmann
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Und Bürgern gar verhaßt.
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Sei höflich, man bedient dich schlecht,
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Den Grobian zur Not;
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Und nimmt man selbst am Wirte Recht,
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Ißt man Profossenbrot.

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Wenn endlich die Kanone brummt
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Und knattert 's klein Gewehr,
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Trompet und Trab und Trommel summt,
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Da geht's wohl lustig her;
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Und wie nun das Gefecht befiehlt,
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Man weichet, man erneut's,
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Man retiriert, man avanciert –
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Und immer ohne Kreuz.

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Nun endlich pfeift Musketenblei
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Und trifft, will's Gott, das Bein,
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Und nun ist alle Not vorbei,
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Man schleppt uns gleich hinein
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Zum Städtchen, das der Sieger deckt,
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Wohin man grimmig kam;
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Die Frauen, die man erst erschreckt,
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Sind liebenswürdig zahm.

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Da tut sich Herz und Keller los,
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Die Küche darf nicht ruhn;
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Auf weicher Betten Flaumenschoß
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Kann man sich gütlich tun.
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Der kleine Flügelbube hupft,
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Die Wirtin rastet nie,
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Sogar das Hemdchen wird zerzupft,
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Das nenn ich doch Scharpie!

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Hat eine sich den Helden nun
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Beinah herangepflegt,
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So kann die Nachbarin nicht ruhn,
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Die ihn gesellig hegt.
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Ein Drittes kommt wohl emsiglich,
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Am Ende fehlet keins,
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Und in der Mitte sieht er sich
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Des sämtlichen Vereins.

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Der König hört von guter Hand,
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Man sei voll Kampfeslust;
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Da kömmt behende Kreuz und Band
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Und zieret Rock und Brust.
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Sagt, ob's für einen Martismann
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Wohl etwas Beßres gibt!
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Und unter Tränen scheidet man
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Geehrt so wie geliebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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