Die glücklichen Gatten

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Johann Wolfgang Goethe: Die glücklichen Gatten (1802)

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Nach diesem Frühlingsregen,
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Den wir so warm erfleht,
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Weibchen, o sieh den Segen,
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Der unsre Flur durchweht.
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Nur in der blauen Trübe
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Verliert sich fern der Blick;
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Hier wandelt noch die Liebe,
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Hier hauset noch das Glück.

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Das Pärchen weißer Tauben,
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Du siehst, es fliegt dorthin,
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Wo um besonnte Lauben
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Gefüllte Veilchen blühn.
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Dort banden wir zusammen
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Den allerersten Strauß
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Dort schlugen unsre Flammen
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Zuerst gewaltig aus.

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Doch als uns vom Altare,
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Nach dem beliebten Ja,
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Mit manchem jungen Paare
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Der Pfarrer eilen sah,
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Da gingen andre Sonnen
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Und andre Monden auf,
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Da war die Welt gewonnen
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Für unsern Lebenslauf.

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Und hunderttausend Siegel
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Bekräftigten den Bund,
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Im Wäldchen auf dem Hügel,
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Im Busch am Wiesengrund,
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In Höhlen, im Gemäuer
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Auf des Geklüftes Höh,
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Und Amor trug das Feuer
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Selbst in das Rohr am See.

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Wir wandelten zufrieden,
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Wir glaubten uns zu zwei;
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Doch anders war's beschieden,
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Und sieh! wir waren drei,
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Und vier und fünf und sechse,
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Sie saßen um den Topf,
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Und nun sind die Gewächse
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Fast all uns übern Kopf.

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Und dort in schöner Fläche
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Das neugebaute Haus
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Umschlingen Pappelbäche,
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So freundlich sieht's heraus.
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Wer schaffte wohl da drüben
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Sich diesen frohen Sitz?
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Ist es mit seiner Lieben
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Nicht unser braver Fritz?

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Und wo im Felsengrunde
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Der eingeklemmte Fluß
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Sich schäumend aus dem Schlunde
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Auf Räder stürzen muß:
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Man spricht von Müllerinnen
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Und wie so schön sie sind;
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Doch immer wird gewinnen
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Dort hinten unser Kind.

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Doch wo das Grün so dichte
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Um Kirch und Rasen steht,
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Da, wo die alte Fichte
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Allein zum Himmel weht,
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Da ruhet unsrer Toten
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Frühzeitiges Geschick
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Und leitet von dem Boden
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Zum Himmel unsern Blick.

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Es blitzen Waffenwogen
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Den Hügel schwankend ab.
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Das Heer, es kommt gezogen,
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Das uns den Frieden gab.
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Wer mit der Ehrenbinde
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Bewegt sich stolz voraus?
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Es gleichet unserm Kinde!
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So kommt der Karl nach Haus.

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Den liebsten aller Gäste
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Bewirtet nun die Braut;
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Sie wird am Friedensfeste
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Dem Treuen angetraut.
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Und zu den Feiertänzen
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Drängt jeder sich herbei;
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Da schmückest du mit Kränzen
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Der jüngsten Kinder drei.

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Bei Flöten und Schalmeien
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Erneuert sich die Zeit,
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Da wir uns einst im Reihen
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Als junges Paar gefreut;
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Und in des Jahres Laufe,
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Die Wonne fühl ich schon!
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Begleiten wir zur Taufe
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Den Enkel und den Sohn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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