Stiftungslied

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Johann Wolfgang Goethe: Stiftungslied (1801)

1
Was gehst du, schöne Nachbarin,
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Im Garten so allein?
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Und wenn du Haus und Felder pflegst,
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Will ich dein Diener sein.

5
Mein Bruder schlich zur Kellnerin
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Und ließ ihr keine Ruh.
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Sie gab ihm einen frischen Trunk
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Und einen Kuß dazu.

9
Mein Vetter ist ein kluger Wicht,
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Er ist der Köchin hold.
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Den Braten dreht er für und für
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Um süßen Minnesold.

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Die sechse, die verzehrten dann
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Zusammen ein gutes Mahl,
15
Und singend kam ein viertes Paar
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Gesprungen in den Saal.

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Willkommen! und Willkommen auch
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Fürs wackre fünfte Paar,
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Das voll Geschicht' und Neuigkeit
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Und frischer Schwänke war.

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Noch blieb für Rätsel, Witz und Geist
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Und feine Spiele Platz;
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Ein sechstes Pärchen kam heran,
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Gefunden war der Schatz.

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Doch eines fehlt' und fehlte sehr,
26
Was doch das Beste tut.
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Ein zärtlich Pärchen schloß sich an,
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Ein treues – nun war's gut.

29
Gesellig feiert fort und fort
30
Das ungestörte Mahl,
31
Und eins im andern freue sich
32
Der heil'gen Doppelzahl.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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