Der Goldschmiedsgesell

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Johann Wolfgang Goethe: Der Goldschmiedsgesell (1808)

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Es ist doch meine Nachbarin
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Ein allerliebstes Mädchen!
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Wie früh ich in der Werkstatt bin,
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Blick ich nach ihrem Lädchen.

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Zu Ring und Kette poch ich dann
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Die feinen goldnen Drähtchen.
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Ach, denk ich, wann, und wieder, wann
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Ist solch ein Ring für Käthchen?

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Und tut sie erst die Schaltern auf,
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Da kommt das ganze Städtchen
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Und feilscht und wirbt mit hellem Hauf
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Ums Allerlei im Lädchen.

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Ich feile; wohl zerfeil ich dann
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Auch manches goldne Drähtchen.
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Der Meister brummt, der harte Mann!
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Er merkt, es war das Lädchen.

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Und flugs, wie nur der Handel still,
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Gleich greift sie nach dem Rädchen.
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Ich weiß wohl, was sie spinnen will:
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Es hofft das liebe Mädchen.

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Das kleine Füßchen tritt und tritt;
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Da denk ich mir das Wädchen,
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Das Strumpfhand denk ich auch wohl mit,
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Ich schenkt's dem lieben Mädchen.

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Und nach den Lippen führt der Schatz
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Das allerfeinste Fädchen.
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O wär ich doch an seinem Platz,
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Wie küßt ich mir das Mädchen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Wolfgang von Goethe
(17491832)

* 28.08.1749 in Frankfurt am Main, † 22.03.1832 in Weimar

männlich, geb. Goethe

natürliche Todesursache | Herzinfarkt

deutscher Dichter, Dramatiker, Naturforscher und Politiker (1749–1832)

(Aus: Wikidata.org)

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