[nun mag ich nicht mehr leben]

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Hans Aßmann von Abschatz: [nun mag ich nicht mehr leben] (1672)

1
Nun mag ich nicht mehr leben/
2
Mit dir/ o Eitelkeit/
3
Noch deinem Dienst ergeben
4
Die Blütte meiner Zeit.
5
Der Welt geschmückte Pracht
6
Hat über meine Sinnen
7
Hinfüro keine Macht.

8
Was ist vor Lust auff Erden
9
Die sich befinde frey
10
Von Wechsel und Beschwerden/
11
Und sonder Galle sey?
12
Offt muß uns in der Hand
13
Zu Gifft und Wermutt werden
14
Der süsste Zucker-Cand.

15
Der Ehre Dunst muß schwinden/
16
Ein Zufall raubt das Gutt/
17
Der Freund ist falsch zu finden/
18
Das Alter schwächt den Mutt/
19
Der Liebe Glutt wird Eiß/
20
Wenn Uberdruß und Eyffer
21
Sich einzuspielen weiß.

22
Auff helles Sonnen-scheinen
23
Folgt trübe Regens-Zeit/
24
Wir schlüssen offt mit Weinen
25
Die beste Fröligkeit/
26
Eh wir sie recht gekost/
27
Entgeht uns aus den Händen
28
Die angenehmste Lust.

29
Vergnügen bringt dem Hertzen
30
Wenn man bey Freunden kan/
31
Mit Lachen/ Reden/ Schertzen/
32
Die Stunden legen an/
33
Wenn wir vonsammen ziehn
34
Und sich Gesellschafft scheidet/
35
Bleibt Trauren der Gewinn.

36
Was bringt uns nicht vor Schmertzen
37
Der eiteln Liebe Macht/
38
Wenn man nach unserm Hertzen
39
Mit falschen Blicken tracht/
40
Die Freyheit von uns jagt/
41
Mit Sorgen und mit Hoffen
42
Die krancke Seele plagt.

43
Wohl dem/ der so kan leben
44
In dieser Eitelkeit/
45
Daß er ihr nicht ergeben
46
Die Blütte seiner Zeit/
47
Der mitten in der Welt
48
Die Freyheit seiner Sinnen
49
Zum Eigenthum behält.

50
Wer/ mit sich selbst zufrieden/
51
Der Tugend strebet nach/
52
Und/ von der Welt geschieden/
53
Nicht fühlt ihr Ungemach/
54
Ansiehet ihre Lust/
55
Ihr aber nicht ergiebet
56
Die ungezwungne Brust.

57
Wer ohn den Zwang der Mauren
58
In stiller Ruhe lebt/
59
Sein Hertze/ sonder Trauren/
60
Von dieser Erd erhebt/
61
Und an die Eitelkeit
62
Der Menschen ungebunden/
63
Beschlüsset seine Zeit.

64
Er kan vergnügt genüssen
65
Was ihm das Glücke günnt/
66
Sein Schiffgen ruhig wissen
67
Von Wetter/ Sturm und Wind.
68
Es gehe wie es will/
69
Die Freyheit der Gedancken
70
Ist sein vergnügtes Ziel.

71
O edles Freyheits-Leben/
72
Voll Freud und Süßigkeit/
73
Dir will ich übergeben
74
Die Blütte meiner Zeit/
75
Zwar weltlich in der Welt/
76
Doch ohn die Welt zu leben
77
So lang es GOTT gefällt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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