Die Herren Eltern

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Kurt Tucholsky: Die Herren Eltern (1912)

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Ist ein Schullehrer Pazifist
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und sagt, wie es in Wahrheit im Kriege ist –:
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daß Generale Kriegsinteressenten sind,
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ganz gleich, wer verliert; ganz gleich, wer gewinnt . . .
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dann – sollte man meinen – freun sich die Eltern für ihr Kind?
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Jawoll!

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Dann erhebt sich ein ungeheures Elterngeschrei:
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»raus mit dem Kerl! Das ist Giftmischerei!
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Unser Junge soll lernen, wie schön die Kriege sind!
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Wir warten schon drauf, wann wieder ein neuer beginnt –
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und dazu liefern wir gratis und franko 1 Kind!
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Jawoll!«

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Die Elternbegeisterung ist ganz enorm.
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Die Mütter: aus Liebe zur Uniform.
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Die Väter, die Lieferanten für den Schützengraben,
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denken: warum sollen denn diese Knaben
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es besser als unsereiner haben?
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Nicht wahr?

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Die Fabrikation eines Kindes ist nicht sehr teuer.

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Aber erhöh mal ein bißchen die Umsatzsteuer –:
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dann kreischen die Herren Eltern, daß der Ziegel vom Dache fällt.
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Man trennt sich leicht vom Kind.
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Aber schwer vom Geld.
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Bekommt das Kind einen Bauchschuß? Das macht ihnen keine Schmerzen.
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Doch ihr Geld – das lieben die Herren Eltern von Herzen.
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Jawoll!

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Mitleid mit den Opfern, die da fallen für Petroleum, für Fahnen,
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für Gold –?
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Die Herren Eltern haben es so gewollt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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