Lied ans Grammophon

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Kurt Tucholsky: Lied ans Grammophon (1912)

1
Nun komm, du kleine Nähmaschine,
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und näh mir leise einen vor.
3
Ich denke dann an Clementine,
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du säuselst sanft mir in das Ohr.
5
Und am Klavier ohn Unterlaß
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führt rhythmisch einer seinen Baß.

7
Sie war so lieb. Kocht ich im Grimme,
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weil jemand mich geärgert hat,
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dann sang sie mit der Oberstimme
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und strich mir alle Falten glatt.
11
Und am Klavier ohn Unterlaß
12
führt rhythmisch einer seinen Baß.
13
pom-pom

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Still sah sie immer nach dem Rechten
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und stellte alles so nett hin.
16
Am Tage kühl. Doch in den Nächten
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zerschmolz die süße Schaffnerin.
18
pom-pom

19
O spiele weiter!
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Clementine
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war ihrerseits aus Brandenburch.
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Sie trog mich mit der Unschuldsmiene
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und ging mit einem Dichter durch.

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Bei dem ist sie bis heut geblieben.
25
Gewiß . . . der Mann hat keinen Bauch.
26
Und er hat alles klein geschrieben;
27
stefan george tut das auch;
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und im klavier ohn unterlaß
29
führt rhythmisch einer seinen baß.

30
Du spielst. Ich muß mich still besaufen.
31
Voll ist das Glas und wieder leer.
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He! Holla! Du bist abgelaufen . . .
33
Die Nadel knirscht. Du singst nicht mehr.
34
In meinem Ohr ohn Unterlaß
35
rauscht rhythmisch unser Schicksalsbaß;
36
pom-pom

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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