An Frau von Oheimb

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Kurt Tucholsky: An Frau von Oheimb (1912)

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Gönn mir das traute Du. Ich kann vor Lachen
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dich ja nicht siezen – nimm mir das nicht krumm!
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Sag mir nur eines: Was sie bei dir machen,
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siehst du das nicht – den Fez um dich herum?
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Die gehrockeingebundnen Bürokraten,
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die Talleyrand-Kopien der Diplomaten,
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der aus Liberia – und selbst der aus Minka . . .
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Kathinka –!

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Ach, ihr beklagt in wichtigkeitsgeschwollnen
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und schönen Reden diese Not der Zeit.
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Um Autokühler die kameelhaarwollnen
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Schutzdecken . . . Damen mit dem Schleppenkleid . . .
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Du bist so selig, wenn die Schmöcke schreiben.
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Ihr quatscht und quatscht. Die Dividenden bleiben.
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Es flirrn und flirten Tee- und Kaffee-Trinker . . .
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Kathinka –!

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Die Republik gibt sich in deinen Räumen
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ein Stelldichein. O stell sie wieder weg!
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Schlafwandler sind sie, die regierend träumen . . .
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und die Reformen sind wie Teegebäck.
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Und blickte Salomo auf diese Scheitel,
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er spräche: Hier ist alles eitel.
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Auf hundert rechte Gäste kommt ein linker . . .
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Kathinka –!

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Kathinka, gutes Kind!
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Du bist so niedlich
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und hältst dich für den Nagel der Saison.
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Geh, hör gut zu – ich sag dirs friedlich:
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ne gute Stube ist noch kein Salon.
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Du weißt von Politik auch nicht die Bohne.
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Hörst du den Schritt der Proletarier-Bataillone?
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Du kommst zu spät.
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Denn unsre Zeit ist flinker
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als du, Kathinka.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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