Sonntagsmorgen, im Bett

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Kurt Tucholsky: Sonntagsmorgen, im Bett (1912)

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Was – was ist?
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Ach so. Heute ist Sonntag. Da kann ich noch liegen.
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Mit den Schultern kuscheln. Mich ans Kopfkissen schmiegen –
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Aus alter Gewohnheit wacht man sonntags immer
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so früh auf wie wochentags – das kommt vielleicht von dem Schimmer
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da von den Jalousien – was ist denn das für ein Geratter und Gebraus?
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Na, jedenfalls heute muß ich nicht raus.

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Ich kann heute ganz stille liegen und ruhn.
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Und muß gar nichts. Und hier kann mir keiner was tun.
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So ein Bett ist eigentlich eine schöne Sache –
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da müßte noch so eine Sonnenplache
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drüber sein, und dann fährt man damit überall hin.
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Woher kommt das, daß ich heute so furchtbar müde bin –?

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Gestern abend haben wir wesentlich zu viel Schwedenpunsch getrunken,
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Paul war zum Schluß ganz in seinen Sessel versunken;
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ich habe auch noch so einen komischen Geschmack im Mund
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und – –

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Halb neun! Da muß ich richtig wieder eingeschlafen sein.
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Sonntagsmorgen im Bett, das ist fein.
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Das heißt: Was nun noch kommt, ist weniger schön . . .
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Heute muß ich zu Onkel Otto und Tante Frieda gehn –
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Margot ist auch da, die keusche Lilie . . .
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Warum, lieber Gott, ist man sonntags stets in Familie?
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Vor Tisch sind sie beleidigt, und nach Tisch sind sie satt –
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wenn ich dran denke, wird mir jetzt schon ganz matt.

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Abends ist Theater . . . morgen muß ich unbedingt mal mit Kempner telefonieren:
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Er muß mir die Diele billiger tapezieren –
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achtzig ist zu viel – der Junge ist wohl nicht ganz gesund!
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und – –

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Halb zehn!
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»willi! Aufstehn! Aufstehn!«
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Ja doch, ja!
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Ich stehe ja schon auf, Mama –

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Jetzt geht der Sonntag los! Nein: eigentlich ist er jetzt vorbei.
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Jetzt kommen die Zeitungen und Briefe und Telefon und Geschrei.
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Das ist nun weniger geruhsam und labend . . .

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Aber so ist das im Leben:
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Das Schönste vom Sonntag ist der Sonnabend Abend.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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