Der Rhein und Deutschlands Stämme

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Kurt Tucholsky: Der Rhein und Deutschlands Stämme (1912)

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Es fließt ein Strom durch das deutsche Land,
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drin spiegeln sich Schlösser und Zinnen;
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er ist in den deutschen Gauen bekannt,
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kein Refrain kann demselben entrinnen.
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Und alle Romantik hat hier ihr Revier,
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und je lauter das Rheinlied, je kälter das Bier
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der kleinen und großen Verdiener.
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Zum Beispiel so der Berliner:
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»ein rheinischet Meechen – beim rheinischen Wein –
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Ja, Donnerwetter nich noch mal!
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Na, det muß ja der Hümmel auf Erdn sein –!
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Wat, Lucie –?«

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Wer Lieder für Operetten schreibt
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aus Prag, aus Wien und aus Bentschen –:
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den Rhein möcht ich sehn, der da ungereimt bleibt –
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es sind halt geschickte Menschen!
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Und was sie dichten, ganz Deutschland grölts,
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von Aachen bis Dirschau, von Kiel bis nach Ölz;
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wo nur Treue und Weinbrand wachsen.
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Zum Beispiel so unsere Sachsen:
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»ein rheinisches Mädchen – beim rheinischen Wein –
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Nu heere mal, Agahde, was hasdn dn
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Krachenschonr nich midgenomm? 's is doch
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so giehle uffm Wasser?
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Diß muß ja der Himmel auf Erden sein!
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Eicha . . . !«

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Im Rhein, da quillt unsere Mannesbrust,
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da liegen dicke Tantiemen;
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und befällt den Deutschen die Sangeslust:
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hier kann er das Ding unternehmen.
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Es reimt sich der Rhein
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auf Schein und auf Sein
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und auf mein und auf dein,
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auf Jüngferlein, Stelldichein, Gänseklein . . .

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Und ist auch zerklüftet das Deutsche Reich:
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im Moorbad der Lyrik verstehn sie sich gleich.
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Viel schneller als bei Richard Dehmel.
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Zum Beispiel so jener aus Memel:
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»äin rhäinisches Mädchen – bäim rhäinischen Wäin –
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äi, das muß ja der Himmel – auf Erden säin –
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Wäißt, wenn dir der Wäin nich schmeckt,
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jieß noch 'n kläin Schnaps-che räin! –
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Äi, das muß ja der Himmel auf Erden säin –!
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Oder mäinst näin –?«

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So ist der Rheinstrom ohne Fehle,
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das Familienbad der deutschen Seele.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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