Der Graben

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Kurt Tucholsky: Der Graben (1912)

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Mutter, wozu hast du deinen aufgezogen?
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Hast dich zwanzig Jahr mit ihm gequält?
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Wozu ist er dir in deinen Arm geflogen,
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und du hast ihm leise was erzählt?
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Bis sie ihn dir weggenommen haben.
6
Für den Graben, Mutter, für den Graben.

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Junge, kannst du noch an Vater denken?
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Vater nahm dich oft auf seinen Arm.
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Und er wollt dir einen Groschen schenken,
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und er spielte mit dir Räuber und Gendarm.
11
Bis sie ihn dir weggenommen haben.
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Für den Graben, Junge, für den Graben.

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Drüben die französischen Genossen
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lagen dicht bei Englands Arbeitsmann.
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Alle haben sie ihr Blut vergossen,
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und zerschossen ruht heut Mann bei Mann.
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Alte Leute, Männer, mancher Knabe
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in dem einen großen Massengrabe.

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Seid nicht stolz auf Orden und Geklunker!
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Seid nicht stolz auf Narben und die Zeit!
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In die Gräben schickten euch die Junker,
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Staatswahn und der Fabrikantenneid.
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Ihr wart gut genug zum Fraß für Raben,
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für das Grab, Kamraden, für den Graben!

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Werft die Fahnen fort!
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Die Militärkapellen
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spielen auf zu euerm Todestanz.
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Seid ihr hin: ein Kranz von Immortellen –
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das ist dann der Dank des Vaterlands.

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Denkt an Todesröcheln und Gestöhne.
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Drüben stehen Väter, Mütter, Söhne,
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schuften schwer, wie ihr, ums bißchen Leben.
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Wollt ihr denen nicht die Hände geben?
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Reicht die Bruderhand als schönste aller Gaben
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übern Graben, Leute, übern Graben –!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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