Unser täglich Brot

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Kurt Tucholsky: Unser täglich Brot (1912)

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An deinem Brot für fünfzehn Mark und achtzig
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hängt, wenn du hinsiehst, allerlei –:

3
Der Landmann läßt sich neue Ställe bauen,
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behängt mit Pelz und Perlen seine Frauen;
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er zählt das Geld nicht mehr – er muß es wiegen –
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wo soll er nur den Krempel unterkriegen?
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Im Flusse treibt ein neues Segelboot –
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von deinem Brot.

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Die Mühlen mahlen. Unternehmer grinsen.
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Die Werke tragen unerhörte Zinsen.
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Kein Käufer streikt. Er kann und muß es tragen.
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In den Garagen summen neue Wagen,
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weil man die besten Dividenden bot
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von deinem Brot.

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Der Bäcker backt. Die Löhne steigen munter,
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doch vom Gewinne geht kein Pfennig runter.
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Die Menschen leben vom Gehalte in den Mund.
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Der Bäcker backt. Und macht sich sehr gesund.
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Er ist der Preisekönig, der Despot –
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von deinem Brot.

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So geht der Kreis: kein Landbetrieb geniert sich.
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Die Industrie hingegen revanchiert sich.
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Wer hat, der hat. Nun seht ihr andern zu.
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Sie teilen sichs. Wer unten liegt, bist du.
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Sie klopfen auf die Waren ihres Baus.
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Das ist noch drin. Und das muß noch heraus!
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Sie wollen alle leben, fett und reich:
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in Villen, Autos, teppichwarm und weich . . .
29
Goldtaschen, Zobel und der Frauen Lippenrot –:
30
Das, Deutscher, ist dein Brot.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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