Schicksalslied

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Kurt Tucholsky: Schicksalslied (1912)

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Bald fehlt uns der Wein –
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bald fehlt uns der Becher.

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Gehst du abends spät nach Hause,
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naßkalt, müde nach der Klause –
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mußt du heimwärts hinken?
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Dafür hast du keinen Faible,
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und du lugst durch blauen Nebel,
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wo zwei Lichter blinken.
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Und da ratterts. »Holla, Kutscher!« Der sieht gar nicht hin.
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Kommt schon mal ne leere Droschke – dann sitzt einer drin!

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Dieses scheint mir allegorisch.
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Eine liebt ich dilatorisch.
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Wartete sechs Wochen.
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Endlich kehrt sie heim zu Muttern.
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Darf ich dich mit Liebe futtern?
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Hör mein Herzlein pochen!
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Doch sie lächelt. »In acht Monden bin ich Wöchnerin!«
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Kommt schon mal ne leere Droschke – dann sitzt einer drin!

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Neuer Chef im Amt. Wie ist er?
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Kabinettssturz. Die Minister
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gehen, kommen, wechseln.
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Heut auf schwarz-weiß-roten Kissen,
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morgen durch die Brust geschossen –
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Laß sie Noten drechseln!
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Dies, mein Sohn, in einem Satze ist des Lebens Sinn:
26
Kommt schon mal ne leere Droschke – dann sitzt einer drin!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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