Iste Goethe

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Kurt Tucholsky: Iste Goethe (1912)

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So stand ich nun. Der Stern des nächsten Schildes
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berief mich hin, die Wohnung schien erträglich.
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Ein Mädchen kam, des seltensten Gebildes,
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das Licht erleuchtend. Mir ward gleich behäglich.
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Hausflur und Treppe sah ich als ein Mildes,
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die Zimmerchen erfreuten mich unsäglich.

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Ein Mädchen kommt, und weil sie sehr graziös ist, und weil es Abend ist, und weil er ein Mann ist –

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Den Stuhl umwerfend spring ich auf und fasse
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das schöne Kind; sie lispelt: »Lasse, lasse!«

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Vervielfacht war, was sich für sie bewegte:
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Verstand und Witz und alle Lebensgeister

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Er schaudert weg, vorsichtig, leise, leise
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entzieht er sich dem holden Zauberkreise.

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Sitzt, schreibt:
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Ich nahte mich der heimischen Pforte,
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entfernen wollten mich die letzten Stunden.
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Da hab ich nun, am sonderbarsten Orte,
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mein treues Herz aufs neue dir verbunden.
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Zum Schlusse findest du geheime Worte:
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Die Krankheit erst bewähret den Gesunden,
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Dies Büchlein soll dir manches Gute zeigen,
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das Beste nur muß ich zuletzt verschweigen.

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Und weil zuletzt bei jeder Dichtungsweise
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Moralien uns ernstlich fördern sollen,
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so will auch ich in so beliebtem Gleise
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euch gern bekennen, was die Verse wollen:
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Wir stolpern wohl auf unsrer Lebensreise,
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und doch vermögen in der Welt, der tollen,
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zwei Hebel viel aufs irdische Getriebe:
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Sehr viel die Pflicht, unendlich mehr die Liebe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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