Sehnsucht nach der Sehnsucht

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Kurt Tucholsky: Sehnsucht nach der Sehnsucht (1912)

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Erst wollte ich mich dir in Keuschheit nahn.
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Die Kette schmolz.
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Ich bin doch schließlich, schließlich auch ein Mann,
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und nicht von Holz.

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Der Mai ist da. Der Vogel Pirol pfeift.
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Es geht was um.
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Und wer sich dies und wer sich das verkneift,
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der ist schön dumm.

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Denn mit der Seelenfreundschaft – liebste Frau,
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hier dies Gedicht
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zeigt mir und Ihnen treffend und genau:
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es geht ja nicht.

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Es geht nicht, wenn die linde Luft weht und
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die Amsel singt –
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wir brauchen alle einen roten Mund,
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der uns beschwingt.

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Wir brauchen alle etwas, das das Blut
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rasch vorwärtstreibt –
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es dichtet sich doch noch einmal so gut,
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wenn man beweibt.

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Doch heller noch tönt meiner Leier Klang,
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wenn du versagst,
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was ich entbehrte öde Jahre lang –
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wenn du nicht magst.

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So süß ist keine Liebesmelodie,
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so frisch kein Bad,
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so freundlich keine kleine Brust wie die,
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die man nicht hat.

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Die Wirklichkeit hat es noch nie gekonnt,
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weil sie nichts hält.
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Und strahlend überschleiert mir dein Blond
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die ganze Welt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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