Das Königswort

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Kurt Tucholsky: Das Königswort (1912)

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Dies ergötzte hoch und niedrig:
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Als der edle König Friedrich,
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August weiland von ganz Sachsen,
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tat zum Hals heraußer wachsen
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seinem Volk, das ihn geliebt,
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so es billigen Rotwein gibt –
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als der König, sag ich, merkte,
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wie der innre Feind sich stärkte,
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blickt er über die Heiducken,
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und man hört ihn leise schlucken..
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Und er murmelt durch die Zähne:
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»macht euch euern Dreck alleene!«

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Welch ein Königswort! Wahrhaftig,
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so wie er – so voll und saftig
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ist sonst keiner weggegangen.
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Wenn doch heute in der langen
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langen Reihe unsrer Kleber,
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Wichtigmacher, Ämterstreber,
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einer in der langen Kette
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nur so viel Courage hätte,
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trotz der Ehre und Moneten
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schnell gebührend abzutreten!
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O, wie ich sein Wort ersehne:
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»macht euch euern Dreck alleene!«

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Edler König! Du warst weise!
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Du verschwandest still und leise
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in das nahrhafte Zivil.
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Das hat Charme, und das hat Stil.
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Aber, aber unsereiner!
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Sieh, uns pensioniert ja keiner!
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Und wir treten mit Gefühle
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Tag für Tag die Tretemühle.
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Ach, wie gern, in filzenen Schuhen
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wollten wir gemächlich ruhen,
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sprechend: »In exilio bene!
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Macht euch euern Dreck alleene!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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