Achtundvierzig

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Kurt Tucholsky: Achtundvierzig (1912)

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Siebzig Jahre ist das nun her.
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Siebzig Jahre wiegen so schwer.
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Schwarz-rot-goldene Fahnen flatterten,
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Vater Wrangels Musketen knatterten –
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Wofür?

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Wie glühten die Herzen! wie glühten die Köpfe!
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Kampf! Kampf gegen die Bürgertröpfe,
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gegen die nickenden Zipfelmützen –
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Klatschen in trübe Fürstenpfützen –
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Und dann?

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Der große Sieg in den siebziger Jahren
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ist uns verdammt in die Krone gefahren.
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Die Krone gleißte. Die Bürger krochen.
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Die treusten deutschen Herzen pochen
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im Proletariat.

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Und dann? Die versprochenen herrlichen Zeiten!
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Und dann? Wir wollen gen Frankreich reiten!
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Und dann? Wir kämpfen gegen zwei Welten,
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Herz und Hirn haben den Deubel zu gelten –
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Jetzt sitzt er in Holland.

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Wofür, mein Gott, hat die Freiheit geblutet?
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Wofür wurden Männer und Mädchen geknutet?
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Spartakus! Deutsche! So öffnet die Augen!
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Sie warten, euch Blut aus den Adern zu saugen –
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Der Feind steht rechts!

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Zerfleischt euch nicht das eigene Herz!
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Denkt an die Barrikaden im März –!
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Wir litten so viel.
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Wollen wir nicht endlich Weltbürger werden?
30
Wir haben nur einen Feind auf Erden:
31
den deutschen Schlemihl!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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