Berliner Gerüchte

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Kurt Tucholsky: Berliner Gerüchte (1912)

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Herr Meyer, Herr Meyer – und hörst du es nicht,
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das wilde, das grause, das dumpfe Gerücht:
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Ein Licht!
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Ein Licht in der russischen Botschaft!

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Und da, wo ein Licht, da ist auch ein Mann,
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und der sitzt an einem Vertrage dran,
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beim Licht in der russischen Botschaft.

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Und das Licht geht manchem Politiker auf;
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es strömet das Volk, es rennet zuhauf
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zum Licht in der russischen Botschaft.

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Und einer zum andern geheimnisvoll spricht:
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»da ist was im Gange – ja, sehn Sies denn nicht,
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das Licht in der russischen Botschaft?«

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Es erbrausen die Linden! »Berennet die Tür!«
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Ein Schutzmann hält seinen Bauch dafür
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vor das Licht,
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das Licht in der russischen Botschaft.

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Sogar ein Geheimer Studienrat
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sagt die Information, die er bei sich hat,
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vom Licht in der russischen Botschaft.

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Und drin spricht der Klempner im öden Saal:
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»du hör mal, Maxe, du kannst mir mal
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die Ölkanne ribajehm!«

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Dann gehen die beiden geruhig nach Haus,
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nach dem Stralauer Tor – und das Licht löscht aus,
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das Licht in der russischen Botschaft.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Kurt Tucholsky
(18901935)

* 09.01.1890 in Berlin, † 21.12.1935 in Göteborg

männlich, geb. Tucholsky

Suizid | Überdosis

deutscher Journalist und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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