»hört es hallen Herdenglocken

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Johann Gottfried Seume: »hört es hallen Herdenglocken Titel entspricht 1. Vers(1786)

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»hört es hallen Herdenglocken
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Auf der Trift am hohen Rocken,
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Und der Tag wird heiß;
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Draußen könnt ihr weiter sprechen,
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Rasch ergreift den langen Rechen:
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Arbeit gilt es heut und Fleiß!«

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Keine Wolke steht am Himmel;
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Summend ziehet das Getümmel
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Nach der großen Au,
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Ernst und heiter, still und tosend,
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Singend hier dort leiser kosend,
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Durch den letzten Morgenthau.

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Voll und hoch bis an die Waden
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Gehen dieses Jahr die Schwaden;
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Auseinander fliegt
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Schnell das Gras von zwanzig Händen,
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Daß geflockt an allen Enden
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Alles in der Sonne liegt.

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Heißer brennt es von dem Himmel,
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Rühriger wird das Getümmel,
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Bildet sich zum Zug,
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Schwinget rasch den langen Rechen,
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Wendet flink die vollen Zechen,
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Und es rauscht der Halm im Flug.

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Immer wieder, immer wieder
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Wechseln rüstig Reih'n und Glieder
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Emsig ab und auf,
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Unter Lachen unter Plaudern,
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Rechts und links und ohne Zaudern,
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Künstlich ihren Ringellauf.

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Neckend geh'n sie manche Stunde
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Wiederhohlt die heiße Runde;
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Und die junge Welt
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Weiß es listig still zu spielen,
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Daß sich jedes von den Vielen
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An das liebste Plätzchen stellt.

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Glühend wird die Mittagshitze;
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Alles eilt dem Schattensitze
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An dem Walde zu;
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Oder lagert mit dem Kober
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Hungrig sich am größten Schober,
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Erst zum Mahl und dann zur Ruh.

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Besser schmeckt aus großen Töpfen
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Frische Milch als Herrenschnepfen,
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Wenn man sich gerührt;
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Wasser besser als die Weine,
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Die der Fuhrmann von dem Rheine
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Nur für Gold herüber führt.

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Leise schlummern nun die Alten,
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Und die jungen Wichte halten
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Ihre gute Zeit;
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Spielen, spotten, necken, kosen,
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Werfen sich mit wilden Rosen
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Bis zu wilder Fröhlichkeit.

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»hollah, endet euer Flüstern,
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Höret wie die Halme knistern!«
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Ruft der Altpapa;
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»jungen, Mädchen, zugegriffen!
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Morgen wird zum Tanz gepfiffen:
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Jetzo ist noch Arbeit da!«

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Alles kommt heran gestürmet,
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Schober werden aufgethürmet,
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Vor dem Abendthau:
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Michel schwingt die große Gabel,
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Hebet schwitzend, wie zu Babel
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Mächtig seinen Riesenbau.

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Alle jauchzet ausgelassen
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Durch des Heues lange Gassen,
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Und der Alte singt
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Einsam schmunzelnd und zufrieden,
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Daß er seine Pyramiden
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Glücklich noch zusammenbringt.

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Schwer geladen werden Wagen,
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Hohe Berge heimzutragen
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Für das lange Jahr.
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Mögen nicht mit wildem Trosse
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Stolz verzehren fremde Rosse,
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Was des Friedens Gabe war!

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Wie aus einem Paradiese
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Duftet Balsam von der Wiese,
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Und die Krankheit weicht;
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Städter wallen frisch nach Hause,
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Die in ihrer engen Klause
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Lange gestern noch gekeucht.

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Grillen zirpen, Wachteln schlagen,
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Späte Nachtigallen klagen
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Ihren Abschied sich;
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Und der Sperling in dem Rohre
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Zanket mit dem ganzen Chore
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Unermüdet ritterlich.

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Fliegen summen, Käfer schwirren;
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Neugeschärfte Sensen klirren
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In dem Grase schon;
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Fernher in der Abendröthe
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Hallt des Waldhorns und der Flöte
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Sanft gemischter Zauberton.

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Neben dem Forellenbache
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Zieht mit Singsang und Gelache
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Alles freundlich heim,
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Findet Abends bey der Mutter
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Milch und Brot und frische Butter,
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Köstlich süß, wie Honigseim.

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Morgen ist ein Fest für Knaben,
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Die Johanniskronen haben:
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Fort noch in das Feld!
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Wer die schönste Krone windet
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Und die schönsten Garben bindet,
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Ist beym Tanz des Tages Held.

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Hört es hallen Herdenglocken
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Von der Trift am hohen Rocken
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Dort dem Dorfe zu,
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Mädchen, eilet und versehet
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Euern Stall geschwind, und gehet
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Dann zu Tisch, und dann zur Ruh.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Seume
(17631810)

* 29.01.1763 in Poserna, † 13.06.1810 in Teplitz

männlich, geb. Seume

deutscher Schriftsteller und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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