Nennt man Homers und Ossians Genossen

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Johann Gottfried Seume: Nennt man Homers und Ossians Genossen Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Nennt man Homers und Ossians Genossen,
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Von deren Lippen Honigseim
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Und Nectar oft in weisen Lehren flossen,
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Nennt man auch einst den alten Gleim.

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Froh war als Greis, wie es der Mann gewesen,
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Der Harfner mit dem Silberhaar;
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Und sein Gesicht ließ seine Seele lesen,
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Die hier schon in Verklärung war.

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Der Nestor sah in vielen vielen Jahren
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Geschlechter Könige zum Ziel,
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In Pomp und Schlacht, vor sich vorüber fahren;
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Und zählte, wer hier stand, hier fiel.

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Hoch stieg der Ruhm von seines Königs Heere,
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Das in dem Sturm die Feinde schlug:
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In Gleims Gedicht lebt ihre Heldenehre,
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Das sie entglüht zur Nachwelt trug.

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Er sammelte mit Weisheit jede Blüthe
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Und flocht sie sinnreich in den Kranz,
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Und reicht' ihn dann mit Freundlichkeit und Güte
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Den Freunden zu dem Reihentanz.

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Anakreon sang nicht mit höherm Feuer
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Vom Seelenrausch in Lieb' und Wein;
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Und Keines Geist war der Betäubung freyer,
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So schön ätherisch und so rein.

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Hört erst den Spruch, vermeßne Sittenrichter;
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Der Mäonide Klopstock nennt
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Den Sänger den
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Die er am ganzen Pindus kennt.

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Und jedem Wort, das nicht vor keuschen Ohren
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Ein ächtes Bürgerrecht bekam,
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Hatt' er mit Zorn den Untergang geschworen;
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Und schalt, wer dann in Schutz es nahm.

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Brecht, denn ihr thuts, ob dem was er gesungen,
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Mit eurem Krittlertadel los!
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Dem Größten ist nicht jedes Lied gelungen;
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Sein reiner Menschenwerth war groß.

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Man wird noch oft im Kreise schöner Seelen,
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Die still und ernst ihn handeln sahn,
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Tief tief herauf der Reihe nach erzählen,
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Was einst der alte Mann gethan.

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Ich schreibe stolz der Liste der Verehrer
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Des Mannes meinen Nahmen ein:
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Er war mein Freund, mein Vater und mein Lehrer;
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Und soll als Mensch mein Muster seyn.

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Fragt nicht, wie oft der Untersucher fehlte;
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Des Menschen Handlung ist die Saat.
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Der Wage deß, der unsre Stunden zählte,
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Wiegt leicht das Wort, und schwer die That.

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Ich dacht' an ihn, als über Wolkensitzen
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Ich an des Ätna Hölle stand;
51
An ihn, als ich mich durch die Felsenspitzen
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Am Schneehaupt des Adula wand.

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Der Lenz beginnt; bald hofft' ich ihn zu sehen,
54
Den blinden Sänger, der mir rief;
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Da hört' ich ernst die Trauerbothschaft wehen,
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Daß er den Schlaf hinüber schlief.

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Als rauschte mir sein Fittich aus der Ferne,
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Sah in die Welten ich empor:
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Einst such' ich dich auf deinem Heimathssterne,
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Und finde mehr, als ich verlor.

61
Ein Andrer mag als Dichter höher fliegen,
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Als seine heitre Muse stieg.
63
Wird einer ihn an Tugend überwiegen?
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Und dieses ist der schönre Sieg.

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Wenn ich als Greis am Knotenstocke wanke,
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Zurück und vorwärts blicke, gibt
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Mir Jugendfreude der Gedanke,
68
Daß Gleim und Weiße mich geliebt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Seume
(17631810)

* 29.01.1763 in Poserna, † 13.06.1810 in Teplitz

männlich, geb. Seume

deutscher Schriftsteller und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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