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Nun ja, ich habe, daß ihrs wißt,
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Ihr würdet sonst doch wenig von mir halten.
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Ich will bekennen, in der alten
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Und in der neuen Welt geküßt,
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Trotz meiner Stirne finstern Falten:
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Verstehet sich in allen Ehren,
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Wie es seit Karls des Großen Zeit
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In alter deutscher Züchtigkeit
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Die strengsten Regeln nicht verwehren.
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Nun fraget ihr mich, ohne Scherz
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Was ich von Küssen sage?
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Verfänglich ist mir allerdings die Frage.
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Ihr meint vor allem, wenn man küsse,
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Daß man zum ganzen herrlichen Genuß
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Des Himmlischen in einem Kuß
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Auch die Geküßte lieben müsse.
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Ey, freylich das; und ich bekenne klar,
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Daß dieser Fall auch meiner war:
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Und überdies, – da hört ihr gleich,
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Daß ich euch nicht belogen habe, –
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Es war ein Mädchen, herrlich, schön und reich
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An jeder seltnen Göttergabe.
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Ich habe selbst mir oft geschworen,
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Sie hätte des Olympus Horen
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Mit ihrem Seelenblick besiegt;
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Und hätte sie die Fabelwelt geboren,
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Es hätte sie Urania vergnügt
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Sich zur Begleiterinn erkoren,
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So hatten sie die Grazien gewiegt.
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Ein Mädchen war es, das so oft, wenn mich
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Ein Phantasienrausch beschlich
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Und mich mit Paradies belog,
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Wo ich entzückt durch sieben Himmel sah,
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Weit mächtiger mich nach Kolumbia
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Als Washington und Franklin zog.
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Nun denkt euch, Freunde, so ein Kuß,
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Denn ich erst halb der stolzen Brittinn raubte,
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Und denn sie dann mir ganz erlaubte,
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Und selbst zurückgab, wie ich glaubte,
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War doch wohl noch ein Kuß.
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Von einem köstlichen Genuß.
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Auch sag' ich, kann ich gleich vor Zärtlichkeit nicht schmachten,
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Ein solcher Kuß ist gar nicht zu verachten,
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Doch aller Küsse Quintessenz,
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Vom Rosenlenz bis zu dem Rosenlenz,
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Ist, glaub' ich, und ihr glaubt es kaum,
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Doch könnt' ich, wolltet ihr es hören
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Auf mein Gewissen es beschwören,
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Ist, nun was meint ihr? ist ein Kuß im Traum.
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Ihr lacht? So wahr ich ehrlich bin,
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Ich werde mein Gefühl doch wissen;
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Ich laß' euch zwanzig Jahre küssen,
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Und gebe nicht den Kuß, wie ich ihn küßte, hin.
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Das war doch noch ein Kuß von Sinn.
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Der grobe Sinnling mag in Rotten
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Nur meine hohe Schwärmerey verspotten:
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Der Kuß war, das versichre ich
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Bey Ehr' und Wahrheit, wenig körperlich.
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Ein Mädchen, das kein Künstler euch beschreibt,
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Vor dem die Dichtung zagend stehen bleibt,
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Und dessen Möglichkeit in stiller Weihe Stunden
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Ich nur ganz leise vorempfunden,
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Stand mit dem Zaubergürtel da.
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Die Gluth, die mein Gesicht umhüllte,
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Die aus dem Puls des Herzens sich
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Schnell und doch sanft durch alle Adern schlich,
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Und magisch schnell mein ganzes Wesen füllte,
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War nicht die Gluth in groben Sinnen,
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Wenn sie, zu Stürmen angefacht,
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Von Mitternacht zu Mitternacht
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Den Kampf der Leidenschaft beginnen.
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Es war ein helles, reines Feuer,
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Erhöhter, himmlischer und freyer,
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Das durch die ganze Seele fuhr,
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Als ich auf einer Blumenflur
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Mich zu dem göttlichen Phantome beugte,
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Und die Gestalt mir halb entgegen kam,
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Die Huldigung von meiner Lippe nahm,
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Und sich ambrosisch seitwärts neigte.
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Aus allen seinen Paradiesen
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Durch seine ganze Ewigkeit
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In einer einzigen Minute Seligkeit
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Der Freuden ganzen Schatz zu gießen,
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Hat Gott für Seelen, die es kennen,
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Die glühen und die nicht verbrennen,
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Das Meisterstück der Güte durchgedacht,
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Und einen solchen Kuß gemacht.
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Der Hauch der Göttlichen erhöhte
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Mit Himmelsathem mich, so sanft und süß und warm;
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So ruhte sie an meinem Arm,
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Und ihr Gesicht war Morgenröthe.
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In ihrem Blick war hell das Glück zu lieben
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Mit reiner Feuerschrift geschrieben;
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Mit einer Schrift, die jeder nicht versieht,
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Der an dem Lenkseil niedrer Sinnen,
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Die Hesperidenfrüchte zu gewinnen,
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Sich in der Erde Taumel dreht.
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Ha, wenn ich hundert Jahre lebe,
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Wer bürgt mir, daß ich noch ein Mahl
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Mich aus dem tiefumwölkten Thal
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Zu dieser Seligkeit erhebe?
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Wer war die Himmlische, die aus Erbarmung sich
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Zu mir, dem Träumer, nieder schlich,
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Um mir von einem Götterleben
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Ein leises Vorgefühl zu geben?
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Wer goß Unnennbarkeit in meinen Busen?
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Asträa, die sich noch ein Mahl
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Auf unsre Sündererde stahl?
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Wars eine von den jüngsten Musen?
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Wie, oder küßte mich zum Lohne,
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Daß ich bisher so ruhig trug,
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Und frevelnd nicht nach ihrem Scepter schlug,
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Die Tochter selbst der göttlichen Dione?
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So war vielleicht ihr erster Kuß,
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Als Aphrodite mit dem Silberfuß
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In Paphos an das Ufer stieg:
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So war vielleicht nach Adams Traum,
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Den er auf einer Blumenmatte
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Vom ersten Mädchen sich geträumet hatte,
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Der Kuß an dem Erkenntnißbaum:
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So ist vielleicht einst unser Kuß,
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Wenn Genius und Genius
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Einander in die Arme sinken,
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Und, von der Erde Last befreyt,
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Zu dem Genuß der Ewigkeit
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Entzückung aus der Strahlenquelle trinken.