Willkommen mir, ihr feyerlichen Schauer

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Johann Gottfried Seume: Willkommen mir, ihr feyerlichen Schauer Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Willkommen mir, ihr feyerlichen Schauer
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An dieses Kirchhofs eingefallner Mauer;
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Hier leg' ich müde meinen Wanderstab
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Auf dieses Leichensteins zerborstne Trümmer,
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Und setze mich in Lunens Silberschimmer
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Zur Ruh auf eines Bruders Grab.

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Hier wandelt ernst allein in tiefer Stille
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Der Mensch mit sich in der Empfindung Fülle,
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Die Wohl und Weh in seinen Busen trägt,
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Die ihm, entrückt dem bunten Weltgewimmel,
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Die Pforten öffnet zu dem goldnen Himmel,
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Und ihn in Qual der Hölle schlägt.

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Hier steig' ich auf von moosbewachsnen Hügeln
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Auf reiner heißer Andacht Feuerflügeln,
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Hinauf, o Gott, zu deinem Strahlenthron,
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Und bethe dir, aus dessen Hand die Sonnen
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In ihre Flammenmeere hingeronnen,
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Vom Staub der Erde noch dein Sohn.

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Gib meinem Blick, wenn deine Myriaden
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Sich in dem Glanze deines Lichtes baden,
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Noch Stärke, daß ich von der tiefen Höh
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Durch jenes Raumes ungemeßne Gründe
23
Die Harmonie der Schönheit wieder finde,
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Die ich hier oft verschwinden seh.

25
Laß mich, wenn mich die Zweifel übersteigen,
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Nicht meinen Nacken unter Zweifeln beugen,
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Und halte meinen Geist im Gleichgewicht,
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Du Gott des Seraphs und du Gott des Wurmes,
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Der in dem Lenzhauch und im Sturz des Sturmes
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Mit Wohlthat den Erschaffnen spricht.

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Wenn mich die Welt zu hohem Zorn entflammet,
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Mein Feuereifer rund umher verdammet,
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Wenn schwer mein Herz mit deinem Rechte ringt;
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So will ich hier zur Schedelstäte treten,
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Und ein Gebeth bey deinen Todten bethen,
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Das meiner Seele Frieden bringt.

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Hier ruhen sie von ihres Lebens Frohnen,
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Die Brüder einst, in stillen Legionen
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In ihrem kleinen kühlen Aschenhaus;
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Ruhn von den Lasten, die sie nieder drückten,
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Vom Unrecht, unter dem sie schwer sich bückten,
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In brüderlichem Schlummer aus.

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Hier bin ich oft, wo jene Ulmen hangen,
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An meines Vaters treuer Hand gegangen,
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Dort, wo das schwarze Bahrenhäuschen steht;
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Hier folgt' ich weinend seinem Sarg, hier haben
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Sie ihn, den guten, braven Mann, begraben,
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Wo kalt der Nord herüber weht.

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Wo ist dein Grab, daß ich am Grabe weine?
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Des Armen Gruft bezeichnen keine Steine;
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Und weiter nichts warst du, als arm und gut.
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Schon mehr als zwanzig Jahre sind verflogen,
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Seit Wetterstürme um die Statte zogen,
54
Wo dein Gebein von Erde ruht.

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Ich find' es nicht in der Entschlafnen Menge;
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Dem Tode wird sein Leichenfeld zu enge:
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Schon sank der Hügel über deiner Gruft;
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Und gleich den Helden, die in zwanzig Schlachten
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Das Ährenfeld umher zum Kirchhof machten,
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Schläfst du, wo hohl der Uhu ruft.

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Hier an dem Thor, der Mauer hier zur Rechten,
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Wo hoch sich Dornen über Gräber flechten,
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Hier war es, wenn mich Phantasie nicht täuscht.
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Wo treue Nachbarn dein Gebein geborgen,
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Und wo Natur jetzt nach zehn tausend Morgen
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Noch eine stille Thräne heischt.

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Hier setz' ich mich, wo ich einst oft gesessen,
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Und will mein Herz mit Kraft zusammen pressen,
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Wo ich zuletzt dein ernstes Antlitz sah;
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Und bethen will ich, hier wo wir einst schieden,
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Ich zu dem Kampf, du zu des Himmels Frieden,
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Und überschauen, was geschah.

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Das Schicksal hat, seitdem wir dich begraben,
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Mit ehrner Hand den Mann wie einst den Knaben
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Im Labyrinth schon manchen Weg gelehrt;
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Doch darf ich noch, o könntest du es hören!
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Um Mitternacht an deinem Grabe schwören:
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Ich war noch immer deiner werth.

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Du warst ein Mann, der seines Lebens Bürde,
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Mit hohem Sinn und stets mit Muth und Würde,
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Bis an den Schluß des letzten Tages trug,
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Den nie das Glück mit wiederhohltem Streiche,
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Du standst im Sturm wie in dem Hain die Eiche,
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Zum Sclavenjammer niederschlug.

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Du warst, wenn wir an deinen Knien hingen,
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Und nach der Reih von deiner Hand empfingen,
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Froh wie ein alter Patriarchensohn,
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Und hattest bey dem kleinen Kohlgerichte
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Am runden Tisch im festlichen Gesichte
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Entzückung uns, den Feinden Hohn.

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Du zahltest fest des Unstern schwere Schulden
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Als braver Mann mit deinem letzten Gulden,
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Und wiesest dann uns mit Zufriedenheit
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Auf jenen Vater, der die Sterne säet.
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Vor dem das Wohlthun wie ein Bothe gehet,
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Und der der Erde Segen streut.

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Du reichtest noch, wenn dir selbst Mangel drohte,
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Dem Dürftigern vergnügt von deinem Brode,
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Und sprachst noch Trost der Kummerseele zu;
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Und drückten schwer dein Herz dann eigne Sorgen,
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So gab zum Werk an jedem schönen Morgen
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Dir bald ein weiser Denkspruch Ruh.

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Du duldetest, als dich die Krankheit quälte,
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In deren Lauf man schon ein Lustrum zählte,
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Mit männlicher und lächelnder Geduld:
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Du scherztest noch, als unsre Thränen rollten,
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Und bathest nur, daß wir nicht weinen sollten,
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Und zahltest dann die letzte Schuld.

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Jetzt ruhest du, entronnen allen Fluthen,
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Im Vaterland nun sanft bey Gottes Guten,
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Und blickst vielleicht mit Wehmuth nur zurück;
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Und bethest, wenn dich neue Himmel blenden,
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Die Seligkeit der Seele zu vollenden,
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Für uns um Theil an deinem Glück.

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Mit Genien, die jetzt dir jauchzend rufen,
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Schaust du des Throns erhabne goldne Stufen,
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Und hörst der Morgensterne Lobgesang;
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Und dringst verklärt mit Einem schnellen Blicke
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Im Flug Äonen vorwärts und zurücke,
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Mehr als hier je ein Seher drang.

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Du wandelst dort in lichten Regionen,
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Wo endlich Tugend, Ruh und Wahrheit wohnen,
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Von denen nur der Nahme bey uns ist;
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Wo Gott, den Rückstand endlich voll zu zahlen,
125
Gerechtigkeit in allgemeinen Schalen
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Mit unbestochner Wage mißt.

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Dort lachet nicht mit Belialsvergnügen
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Ein Bösewicht des Rechts in letzten Zügen;
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Dort spricht des Unsinns blutbestellter Frohn,
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Mit Geiferwuth und schwer verschloßnen Ohren,
131
Für jeden Funken bessern Lichts verloren,
132
Nicht aller Menschenwürde Hohn.

133
Dort psalmodeyt kein wohlgenährter Bonze,
134
Im Kopfe Nebel, in dem Herzen Bronze,
135
Dir seiner Wuth ergrimmten Widerspruch;
136
Läßt nicht, die heilige Vernunft zu tödten,
137
Des Aberglaubens Eisenmänner reden
138
Aus einem dickbestäubten Buch.

139
Dort wird die Nacht, durch die wir irren, helle,
140
Und alles tritt an seine rechte Stelle
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Zu einem schönen abgemeßnen Gang.
142
Dort werden Labyrinthe sich entrollen
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Zu einem ewig harmonienvollen
144
Und göttlichen Zusammenhang.

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Verweilest du jetzt dort auf deinem Sterne,
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Sieh, Seliger, aus diamantner Ferne
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Als Genius herab auf deinen Sohn,
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Und trage mir, wenn ich in Zweifeln irre,
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Die Strahlenleuchte vor in dem Gewirre,
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Wo rechts und links mir Klüfte drohn.

151
Dann werd' ich nie vom heiligen Gedanken
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An Gott und Tugend nur ein Haar breit wanken,
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Und immer ruhig an dem Vorhang stehn,
154
Und freudig, wenn die große Losung tönet,
155
Mit mir und allem um mich her versöhnet,
156
Zu deinen Sphären übergehn.

157
Wenn Stürme je in meinen Pilgertagen
158
Mich von dem vorgemeßnen Pfade schlagen,
159
So komm' ich still an diesen Ort herab,
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Und setze mich, um Licht und Muth und Kräfte
161
Zu meines Lebens ernstestem Geschäfte,
162
Hier an dein unbekanntes Grab.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Seume
(17631810)

* 29.01.1763 in Poserna, † 13.06.1810 in Teplitz

männlich, geb. Seume

deutscher Schriftsteller und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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