Zum Frieden Handschlag, lieber Falk!

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Johann Gottfried Seume: Zum Frieden Handschlag, lieber Falk! Titel entspricht 1. Vers(1786)

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Zum Frieden Handschlag, lieber Falk!
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Du wirst mich, glaub' ich, schwerlich kennen,
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Sollt' ich mich dir auch drey Mahl nennen;
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Doch thut das nichts. Man sagt, du seyst ein Schalk,
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Der, setzt er sich auf seinen Stecken,
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Ganz rüstig ist, die halbe Welt zu necken.

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Ich las nun deiner Büchlein drey,
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In welchen du den Satyr treibest,
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Und fand, daß deine Schreiberey,
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Mit der du scharf dem Narrn die Kappe reibest.
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Ächt lucianisch swiftisch sey.
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Das freuet mich: denn wenn von Ruthen
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Die Narren und die Schurken bluthen,
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So darf man hoffen, daß die Herden
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Am Gängelbande strenger Zucht,
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Wenn sie den Stachel nun genug versucht,
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Doch nach und nach geringer werden.

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Doch, Freund, dein Amt ist voll Beschwerden.
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Mit Wahrheit ist man überall der Welt,
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Sowohl den Bösen als den Frommen,
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Beym ersten Augenblick nicht sehr willkommen;
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Denn niemand will, daß ihm die Kappe schellt.
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Und denkst du gar an Lohn und Dank
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Für deinen Züchtigungsgesang,
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So hast du höchlich dich betrogen,
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Hast ganz die Rechnung ohne Wirth gezogen,
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Und sitzest auf der lahmen Bank.

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Ein kleines Häufchen kauft mit seinen Dreyern
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Das neue Lied voll Pfeffer, und
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Thuts fröhlich rings dem schlauen Nachbar kund,
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Und liest und lacht und läßt dich weiter leyern;
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Die Menge wirft den Bann auf das Gedicht:
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Doch dieses alles schadet nicht.
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Wenn aber dir vom großen Schleicherorden
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Ein Tropf, der tief getroffen worden,
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Mit einem schönen Pfingstgesicht
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Enkomien und Weihrauch spricht;
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Dann, Freund, denkt er mit seinen süßen Worten
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Dein Glück in seinem Keim zu morden:
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Und diesen flieh, flieh mehr als Pest und Gicht.
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Er suchet dir in seiner Klike
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Mit überzuckerter Intrike
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Sein fein gekochtes Gift zu mischen,
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Und heimlich lugend dir zum Dank
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In einem goldnen Labetrank
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Die schöne Mischung aufzutischen.
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Du hast gewiß den Lohn gewußt,
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Als du der Thorheit und der Laster Hyder,
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Entschlossen, muthig, frey und bieder,
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Entgegen warfst die offne Brust.

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Die Männer, die mit eignen Augen sehen,
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Und ohne Stelzen überall
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Beym Kirmißbier und auf dem Maskenball
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Auf ihren eignen Füßen gehen,
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Die wissen dir gewiß es Dank,
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Wenn in melodischem Gesang
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Durch deiner
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Die Imans bunt und kraus gemischt,
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Zu herrlichen Porträten aufgefrischt,
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Mit zierlichen Marotten tanzen.
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Der Hahn kräht brav, und Danischmende spricht
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Sarkastisch Bauchgrimm für die Schranzen,
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Und für die Guten Morgenlicht.

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Und mancher bessern Seele wehte
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Der Geist der ruhigsten Religion
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In ihres Lebens Region
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Aus deinem Wirrwarr der Gebethe.

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Der Vater Franke würde lauschen,
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Und fast, wenn du die Zauberruthe rührst,
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Und deinen Menschen auf die Bühne führst,
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Für deinen seinen eignen tauschen.

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Das schöne Stückchen ist so voll,
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Mit allem Firlefanz behangen,
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So närrisch weise, so vernünftig toll;
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Und alle unsre Pfauenfedern prangen
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An Nikkel List und Alexander,
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Kartusch, Oktav und Käsebier,
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Wie in der Welt, im herrlichsten Gewirr
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Der schönsten Ordnung durch einander.

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Ich danke, Freund, dir manche Stunde,
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Wo ich an deiner Muse Hand
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Mich labyrinthisch durch die Runde
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Der Thorheit unsrer Brüder wand,
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Und lachend oft auch meine eigne fand.

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Du sprichst mit Ernst, und deine Sprache,
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Die Feindinn jeder Narrenzunft,
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Spricht für die Sache der Vernunft,
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Die heiligste, die größte Sache.
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Die Sprache darfst du also nie entweihen, –
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Dein Vater selbst, der strenge Boileau,
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Befiehlt mit gutem Grund es so, –
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Zu niedern Alltagslitaneyen.

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Du thast, ich meine, wohl nicht gut,
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Daß du, ein Mann, mit Knabenmuth,
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Im Jucken deiner Federspule,
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Die Männerschaft der ernsten Schule
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Im Schnurrenton aufs Tabernakel trugst.
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Und kühn vor deinem Richterstuhle
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Sie mit der Fliegenklatsche schlugst.
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Du hast nicht einen todt geschlagen,
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Und billig nur von manchem Biedermann,
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Der dich vorher sehr lieb gewann,
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Dir selbst den Tadel heimgetragen.
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Die bunten Schülersschaften Kants
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Sind, trotz den dunkeln Labyrinthen,
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In denen sie mit eignen neuen Sünden
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Oft die Vernunft in Zauber winden,
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Doch wahrlich nicht für einen Drachenschwanz.

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Gesetzt, die Schule hätte sich
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An deinem Satyr schwer versündigt,
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Daß du mit Recht ihr feyerlich
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Längst offne Fehde rechtlich angekündigt;
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So spricht des Stückes ganzer Ton
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Zu sehr dem Gegenstande Hohn;
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Und edeln feingestimmten Herzen
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Wird trotz des Witzes um sie her,
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Mit dem du sprichst, es billig schwer,
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In diesem Punct auf diese Art zu scherzen.

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Hat je der Matador der Spötter,
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Des Witzes Fürst, der Vater Lucian,
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Der Schreck der Menschen und der Götter,
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In seinem Zorn wohl so etwas gethan?
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Vielleicht nur Aristophanes
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Warf seinen Streich mit solcher Miene
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Aus seinem Rettigmagazine
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Nach Euripid und Sokrates.

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Verzeih mir, Lieber, meinen Tadel!
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Ich nehm' ihn jeden Augenblick
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Von deinem bessern Selbst zurück;
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Die Muse gab dir Kraft und Muth und Adel.
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Laß du die kleinen Hummeln summen,
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Und rede, weil auf dir Apollo ruht,
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Mit deiner Suade Heldenmuth,
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Wo andere verzagt verstummen.
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Wenn Bonzen Rauch und Nebel streuen,
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Und uns dem Schooß der alten Nacht,
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Wenn jugendlich die Morgenröthe lacht.
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Nonsensikalisch wollen weihen;
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Dann schlage du mit deinem Blitz,
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Der ringenden Vernunft zum Wohle,
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Die mitternächtlichen Idole
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Zum Erebus zurück auf ihren Sitz.
143
Wenn zähnefletschend stolze Bassen,
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Mit Feuerschlinden rund umpflanzt,
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Mit Pergament und Stahl umschanzt,
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Das letzte Mark der Hintersassen
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Bey ihrem Blutmahl schmelzen lassen;
148
Dann rede du mit Ungewittern,
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Daß unter deinem Ungestüm
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Der Unterdrückung Ungethüm
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Vor Furcht die letzten Nerven zittern.

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Wenn rechtliche Harpyen schwelgen,
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Wenn, glänzend von gestohlnem Gold,
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Der Räuber Lips im neuen Wagen rollt,
155
Brich du ihm seiner Räder Felgen,
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Und reiß dem feilen Bösewichte
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Die Larve kühn vom Molochsangesichte.

158
Wenn Laster Tugend unterjocht,
159
Und Bosheit kühn auf Macht und Ansehn pocht;
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Wenn sie mit neuem Gift den Geifer
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In hohem heißem Satanseifer
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Zu siebenfachem Menschenelend kocht;
163
Dann wirf mit allen Flammen drein,
164
Und sublimire deine Reitze;
165
Dann, lieber guter Falk, dann beitze
166
Mit Vitriol und Höllenstein.

167
Hat man dich einst beleidigt, lache;
168
Die Männerchen, die ehmahls dich geneckt,
169
Sind durch Vergessenheit gedeckt,
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Und nun zu klein für deine Rache.

171
Die Menschheit ist nun deine Sache.
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Weih diesem göttlichen Geschäfte –
173
Denn groß und herrlich ist der Ruf,
174
Zu welchem dich das Feuer Gottes schuf –
175
In deiner Laufbahn deine Kräfte.

176
Die Menschheit dankt dann einst noch deinem Nahmen,
177
Und setzt zu dem Palladium
178
Als Wächter einst dich in ihr Heiligthum;
179
Und alle Guten sagen Amen.
180
Der Nachwelt reiner warmer Dank
181
Ist überall der schönste Grabgesang.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Gottfried Seume
(17631810)

* 29.01.1763 in Poserna, † 13.06.1810 in Teplitz

männlich, geb. Seume

deutscher Schriftsteller und Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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