Die große Fechterei

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Ludwig Eichrodt: Die große Fechterei (1859)

1
Nun will ich auch vom Fechten singen,
2
Wie's deutsche Schüler jetzt vollbringen,
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Als Vorbereitung zum Soldat,
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Denn gräßlich viele braucht der Staat.

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Der Kleine treibt die Anfangsgründe,
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Der Große ficht auch mit der Flinte,
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Der Kleine guckt's dem Großen ab,
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Denn voller Ehrgeiz ist der Knab.

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Man hat geviertheilt in vier Theile
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Den Kreis aus purer Langeweile;
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Das Fechten dann daraus entstand,
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Daß man den Säbel nahm zur Hand.

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Worauf sich nach den Winkelschachten,
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Die Menschen vier Haupthieb' erdachten:
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Die Prim, Secund, die Quart, die Terz
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Gerad wie Nord-, Süd-, Ost-, Westwärts.

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Und später machte man jeweilig
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Die Winkelhieb unterabtheilig;
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Man legt sich aus verhängt und steil,
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Sowohl zu Fuß, als auch zu Gäul.

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Vergnügen viel macht das Rappiren,
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Den Gegner sucht man auszuschmieren.
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Au! sitzt der Hieb, doch blutets nicht,
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Hat man die Haube vor'm Gesicht.

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Es kracht die Prim Euch auf den Schädel,
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In Fetzen fahrt der ganze Trödel.
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Von links nach rechts und unten hin
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Fliegt die Secund' und schlitzt das Kinn.

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Die Quart durchpfeift den rechten Backen
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Und zwirbelt noch bis in den Nacken,
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Verzweifelt saußet auch die Terz,
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Bereitend fürchterlichen Schmerz.

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Die Oberquart mit scharfer Schneide
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Geberdet sich voll Schadenfreude,
35
Die Unterquart, ein Meisterstreich,
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Fährt lustig in die dicken Bäuch!

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Die Unterterz heißt Halbsecund,
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Sie zwickt den Hals und linken Mund
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Wir schreien "Himmelsacrament"!
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Weil sie uns raubt das Sprachtalent.

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Ein Flachhieb der ist auch nicht übel,
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Die Nas schwillt auf wie eine Zwiebel,
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Der so Gepfetzte kommt in Wuth
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Und schlägt sich noch einmal so gut.

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Wer sich nicht hütet vor der Finte
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Der kömmt vom Regen in die Tinte,
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Sie zickzackt um sich wie der Blitz
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Und ist ein alter Fechterwitz.

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Doch auch den Sauhieb muß ich nennen,
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Der auf den Unterleib thut brennen,
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Es ist derselbe nicht erlaubt
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Und unanständig überhaupt.

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Wenn man nur hinsteht, heißt's Parade,
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Pariren ist, daß uns nichts schade,
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Man haut nur aus dem Handgelenk -
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Der kann nichts, der die Achsel schwenkt.

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Im Spasse fechten darf ein Jeder,
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Doch zieht im Ernste man vom Leder,
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So heißt man dieses ein Duell
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Und ist verboten vom Pedell.

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Vom Fechten mit dem Bajonette,
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Mit krummem Säbel und Florette,
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Will ich noch geben kurz Bescheid,
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Weil ich gerad' noch habe Zeit.

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Mit dem Florette thut man stoßen,
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Am besten können's die Franzosen,
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Der schwere Säbel ist mehr deutsch,
68
Da hackt man Einem ab das Fleisch.

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Mit Bajonetten thut man streiten,
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Mit denen, die auf Pferden reiten,
71
Man faßt den Feind zur linken Seit'
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Und hupft herum wie nicht gescheidt.

73
Die Bauern, statt mit edeln Sabeln
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Fechten mit Sensen und Mistgabeln,
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Der Handwerksbursch ficht mit dem Hut,
76
Die Hauptsach aber ist der Muth.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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