Ein dummer Kerl war Solala

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Ludwig Eichrodt: Ein dummer Kerl war Solala Titel entspricht 1. Vers(1859)

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Ein dummer Kerl war Solala
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Am liebsten voll des Weins,
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Was draußen in der Welt geschah,
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Das war ihm furchtbar eins.
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Er lebte in den Tag hinein
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Der Solala und pries den Wein.

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Einst saß er in dem Schwanen gut,
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Der edle Solala,
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Und trank sich frischen Lebensmuth,
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Gar lange saß er da.
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Die Langeweile plagt' ihn sehr,
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Da kam der Veitel Stern daher.

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Wie geht's, wie steht's, Herr Solala?
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Beginnt der Veitel Stern,
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Gibt's was zu handeln? - "Handeln? Ja!
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Was möchtest, Veitel, gern?
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Die Hauptsach' ist, daß man was thut,
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Das ist für Langeweile gut."

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Ihr habt da schöne Kleider an,
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Was wollt Ihr für den Rock?
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"den Rock - ich nicht entbehren kann,
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Nein, eher noch den Stock.
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Wie sollt' ich mich denn ausziehn, he?
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Wenn ich heut Abend

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Nun ja, den Stock! die lange Weil'
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Vertreibt er Euch doch nicht,
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"ach nein, der Stock ist mir nicht feil.
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Da geht mir auf ein Licht:
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Den Stock, den stellt man an die Wand,
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Was thu ich dann mit meiner

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Versteht sich. Aber Euer Hut?
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Den laßt mir ohne Streit.
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"mein Hut, mein Hut? Das geht nicht gut.
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Hör' an und sei gescheit:
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Wenn der Herr Pfarrer mich erkennt,
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Wie mach' ich ihm mein

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Ei, habt ihr da nicht eine Uhr?
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"da muß ich bitten schon,
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Die Uhr bekam ich, denk' Dir nur,
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Zur Confirmation.
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Da müßt' ich ja, nicht wahr, Herr Wirth?
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Noch einmal werden

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Das Messer? "Wenn's mich nur nicht gar
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Mit Vatern überwirft.
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Er sagt, daß alle Vierteljahr
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Ich ein's verlieren dürft'.
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Wie kann ich es verlieren dann,
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Wenn ich's nicht mehr

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Jetzt weiß ich was! ruft Veitel Stern,
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Was sind wir doch so dumm!
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Geld hat von uns ein Jeder gern,
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So handeln wir darum!
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Ich bin reell, Ihr seid nicht knapp,
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Ich kaufe Euer

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"halloh, so schreit der Solala,
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Das ist ein Handel fein,
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Ob man schon so was Neues sah?
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Den Handel geh' ich ein.
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Da, zähl' einmal! Eins, zwei, drei, vier -
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Die Mühe überlaß' ich Dir!"

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Natürlich! Wer was kauft,
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Will auch ein Weniges Profit,
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Getauft und Ungetauft.
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"natürlich, sagt der Solala,
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Das weiß' ich, das versteht sich ja!"

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Die ganze Hälfte biet' ich Euch,
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Die Hälfte Euch zulieb,
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Die Hälfte blank, baar und sogleich,
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Ich bin kein Schuft, kein Dieb! -
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Der Solala kratzt hinterm Ohr,
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Der Vorschlag kommt ihm spanisch vor.

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"die Mutter sagt, man würde oft
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Beim Handeln arg geprellt,
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Man sei zu gut, und unverhofft
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Verliere man sein Geld.
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Auf's Bieten soll man bieten keck,
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So käm' man noch am Besten weg."

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Ich will Euch helfen, Veitel spricht,
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Ich kenne ja den Brauch;
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Den Werth des Geldes kennt Ihr nicht
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"- Das sagt der Vater auch.
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Ja, hilf Du mir und gib mir's an,
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Denn Du, Du bist ein Handelsmann."

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Herunterbieten müßt Ihr noch.
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"ja, so hab' ich's gehört.
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Die Hälfte sag' ich also ... doch
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Bist Du dann nicht beschwert?
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Die Hälfte Du, die Hälfte ich,
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So ist der Handel meisterlich."

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Die Hälfte von der Hälfte macht
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Ein Viertel. Gut, schlagt ein! -
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Der Veitel
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Und zieht den Beutel
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Zahlt einen halben Thaler baar,
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Und sagt: nun ist die Rechnung klar.

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Der Solala mit leichtem Sinn
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Sagt Veiteln gute Nacht;
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Ein gut Geschäftchen immerhin
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Sagt der, habt' Ihr gemacht.
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Als Handelsmann besteht ihr da!
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"das sag' ich auch -" sagt Solala.

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Sich selber hoch bewundernd schläft
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Am Tisch der Edle ein,
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Und träumt von seinem Geldgeschäft,
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So schwierig, glatt und fein.
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Dann steht er auf und sagt:

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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