Die Rache

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Ludwig Eichrodt: Die Rache (1859)

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Umgebracht in seinem Bette,
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Liegt der Ritter Seidelbrecht,
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Liegt in seinem bleichen Fette,
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Und daneben steht sein Knecht,
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Steht sein Weib, das abgefeimte,
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Das von jeher Bosheit schäumte.

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Und es spricht der Knecht des Hauses,
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Wischend die bespritzte Hand
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An dem Aermel seines Flauses,
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Zum verruchten Weib gewandt:
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Dieser ist des Todes worden,
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Soll ich auch den

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Und erwidernd spricht die Arge:
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Schöner Josef, sei so gut!
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Thu mir den Gefallen, karge
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- Nimmer mit Tyrannenblut!
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Willst Du Gift, willst Du ein Dölchlein,
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Oder würgen wir das Mölchlein?

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Ach, sie haben kein Gewissen,
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Ach, der Kleine muß daran,
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Aus dem Bett wird er gerissen,
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Und mit Wohllust abgethan.
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Sieh, das geht geschmiert wie Butter,
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Lispelet die Rabenmutter.

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Horch, da raspelt's in dem Bette,
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Da erhebt sich's
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Und als ob es Leben hätte,
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Wandelt es zum Pfeifenbrett;
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Stopft sich mit verdrehten Augen
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Einen Kopf und thut ihn rauchen.

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Gräßlich, gräßlich,
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Gräßlich, das ist ein Gespenst!
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Josef, Josef, wird unpäßlich,
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Eulagunde blickt entmenscht:
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Beide wagen nicht zu sprechen -
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So thut Seidelbrecht sich rächen.

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Eine lange, lange Stunde
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Schleicht dahin und Keines weicht,
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Uebel wird es Eulagunde,
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Josef zum Phantom erbleicht:
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Seidelbrecht, der Todtensteife,
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Stopft sich eine zweite Pfeife.

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Höret nimmer auf zu rauchen,
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Stieret auf das Herz des Weibs
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Mit dem linken seiner Augen,
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Schauerlichen Zeitvertreibs;
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Mit dem rechten schielt erbittert
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Er auf Josef, der da zittert.

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Und zum andern Male klopfet
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Aus die Pfeife Seidelbrecht
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Und zum dritten Male stopfet
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Er die Pfeife mundgerecht.
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Siebenmal und nochmal sieben
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Mal wird dieser Spuck betrieben.

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Eben schlug die zwölfte Stunde
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Dumpfig, wie ein Uhu surrt,
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Angeraucht ist Eulagunde,
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Josef ärmlich eingeschnurrt;
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Schon, mit ganz verdorbnem Teinte,
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Stehn sie da wie Postamente.

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Dann, unmöglich daß man's glaube,
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Unerbittlich, stumm, gerecht,
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Bröckelt er zu schnödem Staube
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Seine Gattin, seinen Knecht;
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Stopft damit, wer will's begreifen?
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Siebenmal dreihundert Pfeifen.

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Rauchet krampfhaft, rauchet schändlich,
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Bis der Hund zur Sonne bellt,
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Raucht und rauchet, bis er endlich
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Selbst in Staub und Asche fällt.
71
Wage Keiner, daß er lache -
72
Das war eines

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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