Nordische Ballad

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Ludwig Eichrodt: Nordische Ballad (1859)

1
Hoch an Nörwögs Felsenstrande
2
Auf dem Raubschloß Rapsjözungar
3
Saß die Jungfrau Affjäskande
4
Mit dem Buhlen Swinjöskungar,
5
Und empfing die süßen Pfande
6
Seiner Liebe, Kuß und Ringjö.

7
Swinjöskungar, Affjäskande,
8
Affjäskanda, Swinjöskungar!
9
Hört von hoher Zinnen-Rande
10
Ritter Borstjö von Spölunggar
11
Seufzen an dem Felsenstrande,
12
Bis die Eifersucht ihn würgtjö.

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Und er schreitet zu Siöfbrödur,
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Zu dem Vater Affjäskande's,
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Deutet auf sein Roß Skindlödur,
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Auf sein Schwert Abmückjöswandes,
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Auf sein Trinkhorn Swärjönödur,
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Und versetzt mit breitem Mauljö:

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Wenn Ihr nicht, wie Ihr versprochen,
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Mir die Tochter gebt zum Weibe,
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Wird es fürchterlich gerochen,
22
Denn das Blut aus ihrem Leibe
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Zapf ich Ende dieser Wochen
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Mit dem Schwert in dieses Hornjö.

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Trink' es aus und werde rasend,
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Reite fort und kehre wieder,
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Aus des Rosses Nüstern blasend
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Wuth und Schaum auf Euch hernieder,
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Den ich, weil er so anmaßend
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Mich behandelt, fressen willjö.

31
Und Siöfbröder reicht die Rechte
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Borstjö, seines Busens Freunde,
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Von Spölungars Hausgeschlechte,
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Der es treu und redlich meinte,
35
Und beim
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Treten sie auf den Balkonjö.

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Teufel! die verliebten Wesen
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Fahren jählings auseinander,
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Doch sie weiß das Haar zu lösen,
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Hurtig wie ein Salmander,
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Zu verstecken vor den bösen
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Menschen den geliebten Freundjö.

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Sieh, die langen goldnen Locken
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Fallen bis hinab zum Strande,
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Und der Buhle leis in Socken,
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Klettert hinter Affjäskande
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Dran hinunter, unerschrocken,
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Ohnbeschädigt, ohnbemerktjö.

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Und beschämt vor seinem Kinde
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Steht der Vater mit dem Freunde,
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Ihm entfallen alle Gründe,
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Daß die Tochter er befeinde;
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Doch damit er Ruhe finde,
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Leert er flugs ein Horn voll Methjö.

55
Und der Freund mit Namen Borstjö,
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Weiß vor Scham sich nicht zu fassen,
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Beißt daher in eine Worstjö,
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Seinen Zorn nicht sehn zu lassen,
59
Und, da's ihm verursacht Durstjö,
60
Leert er flugs voll Meth ein Hornjö.

61
Dann verzweifelnd an sich selber,
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An der Augen eignem Schauen,
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Reißt er sich vom Haupt den Felber
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Mit der Hände grimmen Klauen,
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Und mit stierem Blick der Kälber
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Auch die Augen aus vor Schandjö.

67
Wirft die ausgeriss'nen Augen
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Der Verräth'rin vor die Beine,
69
Weil sie aber dort nichts taugen,
70
Wirft er sie in's Horn voll Weine,
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Und beginnt es auszusaugen,
72
Toll vor Aerger und vor Schamjö.

73
Schlägt das Horn mit schnöden Streichen
74
Dann zusammen mit dem Schwerte,
75
Prüft am Kreuz, dem lederweichen
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Seines Gauls, des Schwertes Härte,
77
Bis das Roß und Schwert deßgleichen
78
Bricht zusammen sammt ihm selbstjö!

79
Aber gräulich unbefangen,
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Als ob nichts geschehen wäre,
81
Kam des andern Tags gegangen
82
Swinjöskungar lobebäre -
83
Und es schmeißt ihm an den langen
84
Hals sein Kind des Hauses Herrjö.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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