Nach Italien, nach

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Ludwig Eichrodt: Nach Italien, nach Titel entspricht 1. Vers(1859)

1
Nach Italien, nach
2
Möcht' ich, Alter, jetzt einmaligen,
3
Wo die Pommeranze wohnt:
4
Wo die wunderschönen Mädchen
5
Unter süßen Triollettchen
6
Singen wandelnd unterm Mond -
7
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

8
Nach Sicilien, nach
9
Sollst Du in die Reise willigen,
10
Wo von Wolken nicht die Spur:
11
Wo die Menschen müßig gehen,
12
Wo die Augen ewig sehen
13
In das himmlische Azur -
14
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

15
Nach Hispanien, nach
16
Laß mich, Alter, auch hinanigen,
17
Wo der Zigarito weilt;
18
Wo die stolzen Donnen kosen,
19
Wo die edlen Räuber tosen,
20
Und die Wunde niemals heilt -
21
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

22
Nach Algerien, nach
23
Laß mich in den Osterferien,
24
Hehrer Alter, laß mich gehn;
25
Wo die Datteln heimlich reifen,
26
Wo die Arabesken schweifen,
27
Und die Antilopen stehn -
28
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

29
Nach Aegypten, nach
30
Laß mich ziehn mit der Geliebtigen,
31
Wo der Sturm der Küste pfeift;
32
Wo der Weise stets zufrieden
33
Auf erhab'nen Pyramiden
34
Stumm in seinen Busen greift -
35
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

36
Nach Arabien, nach
37
Laß mich mit dem Wanderstabigen,
38
Wo der Emir einsam trinkt;
39
Wo die edlen Wüsten brennen,
40
Wo die flinken Stuten rennen,
41
Und die Karawane klingt -
42
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

43
Nach dem Lande
44
Dem gelobten, laß mich ziehnigen,
45
Wo der ew'ge Oelkrug rauscht;
46
Wo die Büßer sich bestrafen,
47
Wo das Meer sich todt geschlafen,
48
Und der Hirt den Zedern lauscht -
49
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

50
Nach Kleinasien, nach
51
Sende mich, dem wellengrasigen,
52
Wo die sanfte Sclavin sitzt;
53
Wo die Palmenwälder glühen,
54
Wo die heil'gen Löwen fliehen,
55
Wo's am blauen Himmel blitzt -
56
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

57
Nach Türkanien, nach
58
Zieht mich's unwiderstehlich anigen,
59
Wo der Pascha mordend schmaucht;
60
Wo die Dardanellen sausen,
61
Wo die krummen Säbel hausen,
62
Und man so viel Geld verbraucht -
63
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

64
Nach den Thälern der
65
Thut mein Sinn sich mächtig sehnigen,
66
Wo der Boden klassisch schweigt;
67
Wo der eingestürzte Tempel
68
Seines Alters düstern Stempel
69
Aus beredten Trümmern zeigt -
70
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

71
Nach Wallachien, nach
72
Laß mich einen Ausflug machigen,
73
Wo sich krümmt der Hospodar;
74
Wo die Russen sich geberden,
75
Wo die Rosse anders werden,
76
Und so manches noch nicht klar -
77
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

78
Nach Croatien, nach
79
Laß mich ziehn, wo durch Dalmatien,
80
Brummend rennt die Drau und Sau;
81
Wo der kluge Banus waltet,
82
Wo der Mantel roth sich faltet,
83
Und für's U man macht ein Vau -
84
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

85
Nach Magyarien, nach
86
Schwärmt ich schon in jungen Jahrigen,
87
Wo das Roß die Zügel beißt;
88
Wo die ew'gen Sporen klirren,
89
Wo aus güldenen Geschirren
90
Der gesammte Adel speist -
91
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

92
Nach der Flur der alten
93
Will ich mich des Drangs entledigen,
94
Wo der Dalkerl sich verpelzt,
95
Wo durch Belte, geographisch,
96
Kattegattlich der Walafisch
97
In das Skagerak sich wälzt -
98
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

99
Nach dem Land der
100
Nördlich von dem Land der Türgen
101
Laß mich schlupfen durch den Paß;
102
Wo der Sachse freundlich mäckelt,
103
Wo der Szekler furchtbar szekelt,
104
Und der rothe Thurm kein Spaß -
105
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

106
Nach Brittannien,
107
Boxet mich der Spleen von dannigen,
108
Wo das Parlament sich dehnt;
109
Wo die Sonne schwimmt im Nebel,
110
Wo der Mensch lebt comfortebel,
111
Und der hohe Bootsmann gähnt -
112
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

113
Nach Gallizien, nach
114
Hab' ich schändliche Kupizigen,
115
Wo der Jude häufig hegt;
116
Wo die Waldschlucht voll der Schauer,
117
Wo der schwarzgelockte Bauer
118
Lächelnd seinen Herrn versägt -
119
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

120
Nach Polakkien, nach
121
Lasse mich den Ranzen packigen,
122
Wo die Sense blutig schwillt;
123
Wo man lebt auf bösem Fuße,
124
Wo der lärmende Krakuse
125
Sich in seinen Mantel hüllt -
126
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

127
Nach dem eis'gen
128
Möcht' ich einen Paß besitzigen,
129
Wo der Pope lebt und leibt;
130
Wo das Volk lebt in Verblendung,
131
Wo der Czaar in starrer Wendung
132
Seinen grimmen Ukas schreibt -
133
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

134
Nach Norwegien, nach
135
Lasse mich den Fuß bewegigen,
136
Wo der Fels gen Himmel schreit:
137
Wo der Ocean sich brandet,
138
Wo der Lotse fröhlich strandet,
139
Und von fern der Hekla speit -
140
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

141
Nach dem grünen Land der
142
Möcht' ich, Alter, mich verlieren,
143
Wo die armen Teufel sind;
144
Wo sich die Mylords, die reichen,
145
Freuen der Kartoffelseuchen,
146
Und der Mensch mit O' beginnt -
147
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

148
In dem hohen Land der
149
Möcht' ich mich zusammenrotten,
150
Mit den Söhnen edler Lairds;
151
Wo für Ossians Nebelhalden
152
Noch dem Sprößling wilder Skalden
153
Glühet sein gewürfelt Herz -
154
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

155
Nach der Mark der kecken
156
Schwärm' ich mit des Nordlands Schwänen,
157
Wo der Sundzoll gierig schnaubt;
158
Wo sich die Fregatten rüsten,
159
Und die Scharlachröcke brüsten,
160
Und man sich so viel erlaubt -
161
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

162
Nach Provanzien, nach
163
Eil' ich, dem olivenranzigen,
164
Wo das Reich der Minne stund;
165
Wo die Troubadoure johlten,
166
Wo die Päpste sich erholten,
167
Und die Dame hielt den Mund -
168
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

169
Nach Hollandien, nach
170
Fahr' ich hin, dem dünensandigen,
171
Wo die Treckschwit schwappelt schwer,
172
Wo mit Wechseln aller Welten
173
Unter köstlichen Gemäldten
174
Wandelt hin der Millionär -
175
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

176
Hin nach Belgien, fort nach Flandern,
177
Werd' ich dann, o Vater, wandern,
178
Wo die Industrie sich spreizt;
179
Wo der Handel blüht, der Wandel,
180
Wo der Wandel für den Handel
181
Stets Locomotiven heizt -
182
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

183
Nach Franzosien, nach
184
Wo die Rebellion ging losigen,
185
Reißt es meine Jünglingsbrust;
186
Wo die Marselljäse strotzet,
187
Wo der Flüchtling friedlich trotzet,
188
Seiner Menschlichkeit bewußt -
189
Dahin, Alter, laß' mich ziehn!

190
Nach dem tapfern
191
Lasse mich den Gürtel schnalligen,
192
Wo die Waldung korken knarrt;
193
Wo das Porto feurig fackelt,
194
Wo der Boden haltlos wackelt,
195
Und das Haus Braganza starrt -
196
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

197
Nach Helvezien, nach
198
Lasse mich, dem schweizerkäzigen,
199
Wo die Lawin donnernd rutscht;
200
Wo zerstäubt der Jesuide,
201
Wo noch der Europamüde
202
Mit dem Stier von Uri putscht -
203
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

204
Nach dem Rheine, nach dem
205
Wall' ich wieder, wenn ich weine,
206
Wo des Deutschen Vaterland;
207
Deutscher Wein und deutsche Eichen,
208
Wo sich Volk und Fürsten reichen
209
Ihrer Hände Hochverband -
210
Dahin, Alter, werd' ich ziehn!

211
Nach Kalifornien, nach
212
Fang' ich an das Lied von vornigen,
213
Wo die Sonne tropisch wärmt;
214
Wo die gold'nen Adern ziehen
215
Durch die schweigenden Prärieen,
216
Und der Sacramenter lärmt -
217
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

218
Dort, wo unter jeder Scholle
219
Von Dukaten eine Rolle
220
Schlummernd uns entgegen lacht:
221
Wo das Silber ist Lappaligen,
222
Wo der Mensch mit Viktualien
223
Glänzende Geschäfte macht -
224
Dahin, Alter - muß ich ziehn!

225
Nach Chinesien, nach
226
Möcht' ich, wo ich nie gewesigen,
227
Wo die Seelen stille steh'n;
228
Wo die Menschen wahrhaft wimmeln,
229
Frauen ihren Fuß verstümmeln,
230
Und der Tusch am schwärzesten -
231
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

232
Nach Mongolien, nach
233
Soll mich gleich der Teufel holigen,
234
Wo die Grenzen unbestimmt;
235
Wo Kirgisen und Kalmücken
236
So sich ineinander schicken,
237
Daß es einen Wunder nimmt -
238
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

239
Nach Sibirien, nach
240
Zu den wildgebornen Thierigen
241
Jetzt es meinen Busen drängt;
242
Wo die Bären murmelnd springen,
243
Wo in unwirthbaren Schlingen
244
Sich der biedre Zobel fängt -
245
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

246
Nach Tscherkessien, nach
247
Treibt es mich, den Unablässigen,
248
Wo im Aug die Aepfel sprühn;
249
Wo die Panzerhelden rasen
250
Mit den kühnen Adlernasen
251
Und die Leichenhügel blühn -
252
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

253
Nach dem Iran, nach dem
254
Mach ich schnell mich auf die Fersigen,
255
Wo der Schach sich selber spielt;
256
Wo der alte Zoroaster
257
Für das allergrößte Laster
258
Seiner Zeit das Lügen hielt -
259
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

260
Doch, o herrlichster Erzeuger,
261
Mir die Steuern nicht verweiger',
262
Wandr' ich nach
263
Wo aus der Hyänenwüste
264
Zu der muschelreichen Küste
265
Niedersteigt der böse Khan -
266
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

267
Nach dem wunderbaren
268
Wo die Katze maust, die Zibet,
269
Kitzelt arg mich das Gelüst;
270
Wo das Paradies gewesen,
271
Wo im Zeitungsblatt zu lesen,
272
Wann der Dalai Lama püßt -
273
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

274
Nach Ostindien, nach
275
Möcht' auch ich den Pfad ergründigen,
276
Möcht' ich jetzt mit Hand und Ohr;
277
Wo die Elefanten kreisen,
278
Wo die Enkel stiller Weisen
279
Singen den Bramanenchor -
280
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

281
Nach den heißen
282
Laß mich nicht vergebens winseln,
283
Wo der Utang
284
Wo das Borneo sich breit macht,
285
Wo mit ungeheurer Streitmacht
286
Der Marhattenhäuptling reist -
287
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

288
Nach Newyorkien, nach
289
Wolle, Alter, Geld mir borgien,
290
Wo die Waare stumm sich kreuzt;
291
Wo genest der Europarier,
292
Wo der letzte Proletarier
293
Sich in seid'ne Tücher schneuzt -
294
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

295
Nach Kanadien, nach
296
Schweif ich fort in kühnen Radien,
297
Wo der Niagara fegt;
298
Wo schon ab sich kühlt die Zone,
299
Wo sich seitwärts der Hurone
300
Nimmer in die Büsche schlägt -
301
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

302
Nach dem Strand der
303
Saus' ich in des Nordlichts Hosen,
304
Wo man geht in Seehundstracht;
305
Wo das Unschlitt Lieblingsspeise.
306
Wo von tausendjährigem Eise
307
Man sich eine Beißzang macht -
308
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

309
Nach dem heißen
310
Mach ich auf mich und davonigen,
311
Wo der Vollmond wüthig saust;
312
Wo verzaubert Hans und Gretl
313
Steht am Popokatepetl,
314
Und der Vitzliputzli haust -
315
Dahin, Alter, muß ich ziehn;

316
Nach Columbien, nach
317
Muß ich, Alter, Dich anpumpigen,
318
Wo die Erde gräßlich bebt;
319
Wo die Geistlichkeit in Masso,
320
Wo über dem Chimborasso
321
Der blasirte Condor schwebt -
322
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

323
Nach Brasilien, nach
324
Jagen jetzt mich die Gefühligen.
325
Wo der Käfer leuchtend hüpft;
326
Wo sich bäumt der Krokodile,
327
Wo verwegen der Mandrile
328
Durch die seltnen Pflanzen schlüpft -
329
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

330
Nach Kannibalien, nach
331
Möcht' ich aber auch einmaligen,
332
Wo das Durcheinander ist;
333
Wo der Teufel selber los ist,
334
Wo es übrigens famos ist,
335
Und der Mensch den Menschen frißt -
336
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

337
Nach Jesuitien, nach
338
Laß mich hin, dem aberwitzigen,
339
An dem tiefen Paraguay;
340
Wo der Landesherr ein Dokter,
341
Ein Jesuit ist, ein verstockter,
342
Und der Mensch ein Papagai, -
343
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

344
Nach Molukkien, nach
345
Will mir schon der Buckel juckigen,
346
Wo der Pfeffer wachsen thut;
347
Wo im ganzen Panorama
348
Schweift das herrlichste Aroma,
349
Und das Meer entsetzlich ruht -
350
Dahin, Alter, muß ich ziehn!

351
Nach dem Cape, nach dem
352
Laß mich ziehn, geliebter Pape,
353
Wo die gute Hoffnung wächst;
354
Wo des Meridianes Odem
355
Aus dem Hottentottenboden
356
Den famosen Capwein hext -
357
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

358
Nach den Polen, nach den
359
Brennen mir die raschen Sohlen,
360
Wo sich die Extreme fliehn;
361
Dorthin, wo der Eiswind wüthet,
362
Dorthin, wo der Aether süthet,
363
Nach dem Nord- und Südpol hin -
364
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

365
Nach Kafferien, nach
366
Will mich inn're Gluth verzehrigen,
367
Wo sich die Giraffe härmt;
368
Wo der Kaffer schändlich händelt
369
Wo das Gnu die Zeit vertändelt,
370
Und der Missionarius schwärmt -
371
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

372
Zum Aequator, zum
373
Laß mich eilen, greiser Vator,
374
Wo die schwarze Linie glüht;
375
Wo der Wüstenkönig schreitet,
376
Wo der Neger Unrecht leidet,
377
Und das Weib vor Götzen kniet -
378
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

379
Nach dem rothen
380
Laß mich mit dem Branntweinfäßchen,
381
Wo der Anstand aufrecht haucht;
382
Wo die Schenkel fliehn behender
383
Als der Hirsch, der Zwanzigender,
384
Und zum großen Geist man raucht -
385
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

386
Nach Australien, nach
387
Zieht es mich zum letzten Maligen
388
Nach des Welttheils fünftem Strand,
389
Wo die Erdumsegler stehen,
390
Wie Verbrecher in sich gehen,
391
Und noch Alles unbekannt -
392
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

393
Nach dem alten
394
Möcht' ich auch, o Vater, hinigen,
395
Wo der Strauß entschwirrt dem Ei;
396
Wo die Nilkataraktere
397
Zu des großen Negus Ehre
398
Schäumen in die Nubierei -
399
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

400
Weiter nach
401
Laß mich ziehn in Gottes Namigen,
402
Wo da Milch und Honig fleußt;
403
Wo die schrecklichen Kalifen
404
Rasend zu der Bulbul schliefen,
405
Und der Schakal um sich beißt -
406
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

407
Nach Domingo, nach
408
Laß mich flattern, ein Flamingo,
409
Wo man lebt in Saus und Braus;
410
Wo die wüsten Negerprinzen
411
Aus Papiermanschetten grinzen,
412
Und die Republik ist aus -
413
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

414
Aber auch im
415
War ich noch nicht, o der Schande,
416
Wo der Hai den Kiel beschnappt;
417
Wo die Pescherähs, voll Blattern,
418
Hüpfend um ein Feuer schnattern,
419
Und herum der Tapir tappt -
420
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

421
Nach Patâgo,
422
Wo der Bär aufpaßt den Honigen,
423
Locket mich ein alter Wahn;
424
Wo das Klima strotzt von Räubern,
425
Wo mit riesenmäß'gen Leibern
426
Sich die Reitersmänner nahn -
427
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

428
Nach dem Peru, nach
429
Zieht es mich zu den Mestuzzien,
430
Wo die Garbe selig reift;
431
Wo sein Schwert der Capitano,
432
Haushochlagernd auf Guano,
433
Gegen Cara-iben schleift -
434
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

435
In La Plata, in
436
Unterm Schatten der Akazien
437
Laß mich, Alter, Hütten baun;
438
Wo die Wasser silbern wallen,
439
Wo die frischen Büffel fallen,
440
Und dem Tiger nicht zu traun -
441
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

442
Nach Kamtschatka,
443
Gib mir pelzerne Sandaligen,
444
Wo der Hund sich langeweilt;
445
Wo der Tschuktsche saugt am Häring,
446
Wo die Straße heult des Behring,
447
Und der Schlitten furchtbar eilt -
448
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

449
Nach Neufundland, nach
450
Welches ist das wahre Hundland,
451
Laß mich fliegen aus dem Nest;
452
Wo der Vorweltsalligador
453
Im Gesteine des Labrador
454
Bläulich sich beleuchten läßt -
455
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

456
Nach Neuseeland, nach
457
Auch ein schönes Ei- und Schneeland,
458
Dahin, Alter, laß mich hin!
459
Wo die bösen Menschenfresser
460
Und die bösen Beefsteakesser
461
Fuchtelnd ihre Messer ziehn -
462
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

463
Nach Havannah, nach
464
Fahr' ich auf dem Susquehannah,
465
Wo die Importirte glüht;
466
Wo die Spanier sich verrammeln,
467
Abenteurer spurlos sammeln,
468
Und der Arak ostwärts blüht -
469
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

470
Freilich grad nach
471
Zieht mich's, Alter, jetzo fast gar,
472
Wo herüber Frühroth glänzt;
473
Wo der Madegasse handelt,
474
Wo gestreift das Zebra wandelt,
475
Und die Königin entmenscht -
476
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

477
Nach Utopien, nach
478
Laß mich ziehn nach allem Obigen,
479
Wo die luft'gen Schlösser sind;
480
Wo kein Scheiden und kein Meiden,
481
Wo man lebt in ew'gen Freuden
482
Und der Communismus grünt -
483
Dahin, Alter, laß mich ziehn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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