Hymnus auf Göthe

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Ludwig Eichrodt: Hymnus auf Göthe (1859)

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Es preisen alle Zungen
2
Den Namen Göthe laut,
3
Die Alten und die Jungen
4
Sind noch von ihm erbaut.
5
D'rum sag' auch ich, nicht blöthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

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Es war ihm nichts zu schwierig,
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Er dichtet es geschwind,
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In Trauerspiel und Lyrik
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Hat er den Preis verdient.
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D'rum, ob er sich's verböthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

13
An seinem Werther härmt man
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Sich seiner Zeit wie jetzt,
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Das deutsche Blut erwärmt man
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Am Berlichinger Götz.
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D'rum rufet früh und spöthe!
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Gepriesen sei der Göthe!

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Wen sollte nicht ermahnen
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Der gottvergessne Faust,
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Der auf des Lasters Bahnen
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Der Hölle zugesaust.
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D'rum lodre die Raköthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

25
In seinen Elegieen
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Hat er sich nicht geniert,
27
Man hat's ihm gern verziehen,
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Daß man sich alterirt.
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D'rum thu auch ich nicht spröthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

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Als alter Musenpriester
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Trieb er Chinesisch noch,
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Und war er gleich Minister,
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So nahm er Zeit sich doch.
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D'rum riefen seine Räthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

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Er hat gemalt, gezeichnet,
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Gott und die Welt studirt,
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Und sonst sich angeeignet,
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Was einen Menschen ziert.
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D'rum, blies er auch nicht Flöthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

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Er schrieb den Wilhelm Meister,
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Ein Buch wie andre mehr,
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Das gute Herz beweist er
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In seinem Hermann sehr.
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D'rum, gäb' es auch Emöthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

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Einsamer Schlaf und Wanzen,
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War ihm, er sagt's, verhaßt,
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Auch hat er stets die Pflanzen
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Gemüthvoll angefaßt.
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D'rum rufe Hans und Gröthe
54
Gepriesen sei der Göthe!

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Selbst an der Farbenlehre
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Schrieb dieser große Mann,
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Und das ist doch so schwere,
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Daß man nur staunen kann.
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D'rum, ob man mich auch tödte:
60
Gepriesen sei der Göthe!

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Bettina, die so kindlich,
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Sprach ihn als Freundin an;
63
Auch sagt er Vieles mündlich
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Dem treuen Eckermann.
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Drum, noch als alter Schwöthe
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Gepriesen sei der Göthe!

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Daß ein Genie nicht rauche
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Das hat er auch gesagt,
69
Ob allzuvielem Lauche
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Hat er in Rom geklagt.
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D'rum, war ihm noch so öthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

73
Bei seinem Freund, dem Schiller,
74
Ist ihm die Zeit entflohn,
75
Auch sprach er mit dem Müller
76
Und mit Napoleon.
77
Drum sprach auch der zum Wröthe:
78
Gepriesen sei der Göthe!

79
In seinen alten Tagen,
80
Bescheidener als nie,
81
Beschrieb er mit Behagen
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Seine Biographie.
83
Drum, ohne Widerröthe:
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Gepriesen sei der Göthe!

85
Als Weisester der Weisen
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Starb er im Tode ab;
87
Ach Jeder sollte reisen
88
An sein berühmtes Grab,
89
Worauf ich schreiben thäte:
90
Gepriesen sei der Göthe!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Ludwig Eichrodt
(18271892)

* 01.01.1827 in Durlach, † 01.01.1892 in Lahr/Schwarzwald

männlich, geb. Eichrodt

deutscher humoristischer Dichter

(Aus: Wikidata.org)

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